Früher, als es noch keine Supermärkte gab und die Menschen ihre Nahrungsmittel weitgehend selbst anbauten, da war es nicht weit her mit der Vielfalt bei der Ernährung, könnte man denken. Viele glauben, dass es in den guten Alten Zeiten auf dem Land in Mitteleuropa nur karge Kost gab. Mancher erinnert sich an Erzählungen der Großeltern von Wintern mit Kohl- und Rübeneintöpfe. Heute hingegen, wo sich der Mensch Lebensmittel aus nahezu allen Teilen der Welt nach Hause bestellen kann, muss auch die Vielfalt in unserer Ernährung gestiegen sein.

Aber das stimmt nicht.

Denn die Menschheit ernährt sich heute deutlich weniger vielfältig als noch vor gut 100 Jahren. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler nach chemischen Analysen von menschlichem Gewebe. Nur die Völker, die bis heute sehr naturnah leben, zeigen demnach eine ähnliche Ernährungsvielfalt wie die Menschen vor 1910 – also vor der Erfindung des Kunstdüngers und dem Beginn der industrialisierten Landwirtschaft und Viehhaltung.

Der Mensch hat ein extrem breites Spektrum pflanzlicher und tierischer Nahrung. Um zu erforschen, wie sich die Ernährung durch die moderne Landwirtschaft verändert hat, analysierten die Forscherinnen und Forscher um Michael Bird von der James Cook University in Cairns (Australien) rund 14.000 Gewebeproben heutiger und früherer Menschen. Sie stammten beispielsweise aus Haaren und Nägeln, zahlreiche Proben waren mehrere Tausend Jahre alt und stammten aus archäologischen Untersuchungen. Dabei berücksichtigten die Wissenschaftler drei Gruppen:

eine moderne städtische Bevölkerung

moderne Menschen in Subsistenzwirtschaft

Menschen, die vor 1910 gelebt haben

Mit Isotopenanalysen zum Vergleich

Gemessen wurden Kohlenstoff (als Delta-C-13) und Stickstoff (als Delta-N-15). Delta-C-13 ist das Verhältnis der Kohlenstoff-Isotope C-13 und C-12 zueinander im Vergleich zu einem Standardwert. Das Verhältnis der Isotope ändert sich je nachdem, ob die Nahrung vom Land oder aus dem Meer stammt. Über…