In der deutschen Coronakrise mehren sich die Hoffnungen auf eine bessere wirtschaftliche Lage. Die exportstarken deutschen Autobauer und ihre Zulieferer beurteilen ihr Geschäft so gut wie seit zwei Jahren nicht mehr. Ein entsprechendes Barometer des Münchner Ifo-Instituts schnellte im April um 10,9 Punkte nach oben – auf nun 21,6 Zähler. Auch die Erwartungen der Automanager haben sich verbessert: Dieser Indikator bewegte sich um 6,3 auf 24,9 Punkte nach oben.

»Die Autobauer haben ihr Coronatief überwunden«, interpretierte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe die Zahlen. Die Nachfrage steige, der Auftragsbestand erhöhe sich, auch im Exportgeschäft erwarten die Autobauer Steigerungen. Die Produktion soll daher hochgefahren werden.

Befragt wurden die Autobauer nach ihrer Kapazitätsauslastung. Der Wert stieg im April auf 91,1 Prozent, nach 84,2 im Januar. Auch wurde nach Gründen gefragt, wodurch die Produktion eingeschränkt wird. Lieferprobleme bei Vorprodukten sind hier das große Thema: 60,4 Prozent der Firmen beklagen sie aktuell. Im Juli 2020 waren es nur 5,8 Prozent, im April 2020 immerhin 42 Prozent. Mehrere Automobilwerke mussten etwa wegen des Mangels an Siliziumchips Kurzarbeit anmelden.

Trotz gut laufender Geschäfte planen die Unternehmen mit weniger Personal. »Die Beschäftigungspläne sehen weiter einen Arbeitsplatzabbau vor«, schreibt das Ifo-Institut. Darin spiegele sich der strukturelle Wandel in der Branche wider. Die EU-Emissionsziele zwingen die Branche, erheblich in die Fertigung von Elektrofahrzeugen zu investieren, deren Produktion langfristig weniger personalintensiv sein dürfte.

Deutschland hatte zuletzt als Standort der Automobilproduktion an Bedeutung verloren. Laut einer Studie der Unternehmensberatung AlixPartners sank der Anteil am Pkw-Produktionsvolumen in der Europäischen Union von 2015 bis 2020 um sechs Prozentpunkte auf 22 Prozent.