Zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod von Langzeitpräsident Idriss Déby Itno hat der Militärrat im zentralafrikanischen Tschad eine Übergangsregierung gebildet. Ihr gehören zahlreiche Minister des Kabinetts von Déby an. Das teilte ein Sprecher des Militärrats am späten Sonntagabend im Staatsfernsehen mit. Auch mehrere Militäroffiziere sind Teil der neuen Regierung, die von Débys Premierminister Pahimi Padacké Albert geleitet werden soll.

Von der Opposition werden demnach drei Posten besetzt: Mahamat Ahmat Alhabo, ein populärer Gegner Débys, wurde zum Justizminister ernannt, Lydie Beassemda, die bei den Präsidentschaftswahlen am 11. April den dritten Platz belegte, wird Bildungsministerin und Chérif Mahamat Zène, bislang Sprecher dreier Rebellengruppen, übernimmt das Außenministerium.

Déby war 1990 durch einen Putsch an die Macht gekommen und regierte seitdem das zentralafrikanische Land. Kurz nachdem er eine neue Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, verstarb der 68-Jährige nach offiziellen Angaben nach Gefechten mit Rebellen im Norden des Landes. Nahe der Grenze zu Libyen liefern sich Soldaten aus Tschad seit Längerem Kämpfe mit der Rebellenbewegung »Front für Wandel und Eintracht im Tschad« (FACT).

Erdölreich, aber bettelarm

Einen Tag, nachdem Déby getötet wurde, übernahm ein Militärrat die Macht im Tschad. Débys Sohn Mahamat wurde zum Präsidenten des Militärrats ernannt, der gleichzeitig als Staatsoberhaupt fungiert. Für die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und für Europa ist das Land ein militärisch wichtiger Partner in der von zahlreichen bewaffneten Gruppen bedrohten Sahel-Region.

Trotz reicher Erdölvorkommen gehört der Tschad zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach Angaben der Weltbank leben 42 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze. Auf der internationalen Skala der Entwicklung belegt das zentralafrikanische Land den drittletzten Platz.