Wegen der Munitionsaffäre bei der Bundeswehr-Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) nehmen die Ermittler den Kommandeur, Brigadegeneral Markus Kreitmayr, ins Visier. Nach SPIEGEL-Informationen beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Tübingen bereits am Freitag Kreitmayrs dienstliches Telefon und sein Tablet nach einer richterlichen Anordnung.

Das Verteidigungsressort informierte am Montag die Mitglieder des Verteidigungsausschusses über die Exekutiv-Maßnahme der zivilen Ermittler. Demnach beschlagnahmten Feldjäger im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Kommunikationsgeräte des KSK-Chefs. Staatssekretär Gerd Hoofe trug in der vertraulichen Sitzung vor, Handy und Tablet würden nun von Bundeswehr-Experten und dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg ausgewertet.

Beteiligt ist demnach auch die militärische Fachabteilung CERTBw, das Computer Emergency Response Team der Bundeswehr. Die Hacker in Uniform können auch bereits gelöschte Dateien und Kommunikation auf Handys wiederherstellen.

Hintergrund der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist eine Sammelaktion von Munition am KSK-Standort in Calw in Baden-Württemberg aus dem Frühjahr 2020. Soldaten konnten damals straffrei Munition zurückgeben, die sie in den Jahren zuvor nach Schießübungen nicht abgegeben oder bei anderen Gelegenheiten entwendet hatten. Am Ende der Aktion kamen mehrere zehntausend Schuss Munition zusammen. Auch zwei scharfe Handgranaten wurden damals abgegeben.

Dass Kreitmayr die Aktion eigenmächtig anordnete, ist ein klarer Bruch der bestehenden Vorschriften, da bei der Bundeswehr jeder Munitionsverlust penibel ausermittelt werden muss. Zudem hätte Kreitmayr seinen Soldaten nicht anbieten dürfen, dass sie die entwendete Munition straffrei abgeben durften, da jeder Diebstahl auch disziplinarisch verfolgt und geahndet werden muss.

Der KSK-Chef hat bereits bei internen Vernehmungen zugegeben, die vorschriftswidrige Amnestie-Aktion angeordnet haben. Laut seiner Darstellung ging es ihm dabei zunächst…