US-Präsident Joe Biden hat den zehnten Jahrestag der Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden genutzt, um den US-Truppenabzug aus Afghanistan zu rechtfertigen. »Wir werden weiterhin jede Bedrohung, die von Afghanistan ausgeht, überwachen und unterbinden«, erklärte Biden am Sonntag. Die Nachricht über den Tod Bin Ladens vor zehn Jahren sei ein Moment gewesen, »den ich nie vergessen werde«, betonte der Präsident.

»Wir haben Bin Laden bis zu den Toren der Hölle verfolgt – und wir haben ihn erwischt«, sagte Biden in einer vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung. „Wir haben das Versprechen an all jene gehalten, die am 11. September geliebte Menschen verloren haben.« Bin Laden galt als Drahtzieher der Attacken vom 11. September 2001.

Wie weit das Land von Stabilität oder gar Frieden entfernt ist, zeigen Ereignisse des Wochenendes. Bei Kämpfen zwischen afghanischen Soldaten und den Taliban starben nach Angaben aus Kabul binnen 24 Stunden mehr als hundert Aufständische. Die Kämpfe hätten in mehreren Provinzen stattgefunden, teilte das Verteidigungsministerium am Sonntag in der Hauptstadt mit.

Stützpunkte werden übergeben

Die Taliban machten zunächst keine Angaben zu den Kämpfen; beide Seiten sind dafür bekannt, die Opferzahlen der jeweils anderen Seite zu übertreiben. Eine Friedensvereinbarung zwischen der Regierung in Kabul und den Taliban ist bislang nicht in Sicht.

Der Abzug der 2500 verbliebenen US-Soldaten aus Afghanistan hatte am Samstag formell begonnen, am Sonntag übergaben die US-Streitkräfte das Camp Antonik in der südlichen Unruheprovinz Helmand. Der Stützpunkt soll künftig afghanischen Spezialeinheiten dienen, die von US- und anderen Nato-Truppen in der Terrorabwehr geschult worden waren.

Die Nato als Ganzes hatte bereits am Donnerstag bekannt gegeben, mit dem Rückzug ihrer Mission aus dem Land begonnen zu haben. Bislang sind in Afghanistan insgesamt noch etwa 9600 Nato-Soldaten stationiert.

Abzug soll zwei Jahrzehnte nach 9/11…