Der prominente Philosoph und Soziologe rudert zurück: Die politische Verquickung des Preises sei ihm nicht klar genug gewesen, teilte der 91-Jährige über seinen Verlag mit. „Ich habe meine Bereitschaft erklärt, den diesjährigen Sheikh Zayed Book Award anzunehmen. Das war eine falsche Entscheidung, die ich hiermit korrigiere“, heißt es in dem vom Suhrkamp-Verlag in Berlin übermittelten Schreiben: „Die sehr enge Verbindung der Institution, die diese Preise in Abu Dhabi vergibt, mit dem dort bestehenden politischen System habe ich mir nicht hinreichend klar gemacht.“

Habermas sollte für sein Lebenswerk geehrt werden

Am Donnerstag war die Auszeichnung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) für Ende Mai angekündigt worden. Der Preis unter Schirmherrschaft des Kronprinzen von Abu Dhabi, Mohammed bin Zayed bin Sultan Al Nahyan, geht an Persönlichkeiten, die mit ihrem Werk zur Förderung der arabischen Kultur, zu Toleranz und einem friedlichen Miteinander beigetragen haben. Habermas sollte die Auszeichnung demnach in der Kategorie Kulturelle Persönlichkeiten 2021 für sein Lebenswerk erhalten. Der Preis ist mit einer Million VAE-Dirham (umgerechnet rund 225.000 Euro) dotiert.

Menschenrechtslage in den VAE in der Kritik

In der Föderation der Emirate am Persischen Golf haben Beobachter wiederholt teils schwere Verstöße gegen die Menschenrechte festgestellt. Laut einem Bericht des US-Außenministeriums von 2020 waren darunter Folter in Gefangenschaft, willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen aus politischen Gründen. Die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt, die Presse und das Internet werden zensiert. Der Emir und Ministerpräsident von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, steht zudem im Verdacht, zwei seiner Töchter entführt zu haben und festzuhalten.

Philosoph von Weltrang

Habermas gilt als einer der bedeutendsten deutschen Denker der Gegenwart. Er beeinflusste diverse Disziplinen wie etwa die Kommunikations- und Kulturwissenschaften,…