Für Politiker sind Krisen meistens auch Chancen. Wer sie bewältigt, wer gute Ideen hat, wer mutig vorangeht, kann sich als Macher profilieren. Als einer, dem die Menschen etwas zutrauen.

Das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts ist für Armin Laschet eigentlich so eine Chance. Die bisherigen Gesetze reichen nicht aus für einen generationengerechten Kampf gegen die Erderwärmung, heißt es aus Karlsruhe.

Die Politik muss also umsteuern, es braucht jetzt große Lösungen.

Und Laschet?

Harte Zeit

Der Mann, der Deutschlands nächster Kanzler werden will, steht am Montag in der CDU-Zentrale in Berlin. Vor ihm: Kameras, wartende Journalisten.

Vier Tage liegt der historische Richterspruch zurück. Am Morgen hat sich Laschet noch einmal mit den führenden Christdemokraten im CDU-Präsidium über den Klimakurs ausgetauscht.

Laschet hat eine harte Zeit hinter sich. Die chaotische Kandidatenkür, die miesen Umfragewerte haben ihm den Start in den Wahlkampf verhagelt. Kommt jetzt der Aufbruch?

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Armin Laschet

Foto: Andreas Gora / POOL / EPA

Es ist, das sei gleich gesagt, an diesem Montag davon wenig zu spüren. Im Konrad-Adenauer-Haus spricht Laschet von »Handlungsspielräumen und Planungssicherheit«, von »Technologieführerschaft« und »Genehmigungsverfahren«.

Es ist ein ziemlich hölzerner Auftritt.

Doch was aus Laschets Sicht noch viel schwerer wiegen muss: Er ist auch jetzt in der Außenwirkung wieder einmal nur derjenige, der reagiert, der bremst, der anderen langsam nachtrottet, die vorgeprescht sind.

Schuld daran ist zum wiederholten Male Markus Söder, den Laschet gerade erst im Kampf um die Kanzlerkandidatur mühsam niedergerungen hat.

Söder tritt an diesem Montag ebenfalls vor die Presse, etwa drei Stunden vor Laschet. Auch er spricht über das Klima – und er nutzt einmal mehr die Gelegenheit zur Selbstinszenierung. Markige Sätze hat er sich zurechtgelegt. »Mehr Kohle für weniger Kohle«, lautet einer. Deutschland müsse…