Kunden der Comdirect müssen vorerst nicht mit höheren Gebühren beim Girokonto rechnen. Eigentlich wollte die Comdirect das Girokonto ab Mai nur noch dann kostenlos anbieten, wenn Kunden es aktiv nutzen. Heißt: monatlicher Geldeingang von 700 Euro, drei Zahlungen via Apple Pay beziehungsweise Google Pay oder mindestens eine Wertpapiertransaktion. Ansonsten verlangt die Bank pro Monat 4,90 Euro Kontoführungsgebühr.

Doch ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) stoppt diese Pläne vorerst. Denn der BGH hat bestimmte Klauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Banken für unwirksam erklärt. Diese legen fest, dass Kunden Änderungen der AGB zustimmen, wenn sie auf die Ankündigung dieser Änderungen nicht reagieren – auch »stillschweigende Zustimmung« genannt. Doch die Klauseln seien zu weitreichend und benachteiligten die Kunden unangemessen, entschied der BGH (Aktenzeichen: XI ZR 26/20).

Comdirect setzt Umsetzung des neuen Kontomodells aus

Darauf reagiert die Bank nun. »Comdirect wird die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und im Anschluss eine Bewertung vornehmen. Vor diesem Hintergrund werden wir die für den 01.05.2021 geplanten Umsetzungen des neuen Kontomodells zunächst aussetzen«, schrieb die zur Commerzbank gehörende Onlinebank ihren Kunden.

Auch die Commerzbank will das bedingungslose Gratiskonto für Bestandskunden abschaffen, allerdings erst von Juli an. Das Institut werde die schriftliche Begründung des BGH-Urteils bewerten, sagte ein Sprecher am Montag.

Laut dem Portal Finanz-Szene.de hat auch die PSD Bank Nord die Einführung neuer Kontomodelle zum 1. Mai vorerst gestoppt. Dagegen teilte die ING Deutschland auf Anfrage von Finanz-Szene.de mit, an ihren geplanten kleineren Veränderungen am Preismodell ab Mai erst einmal festzuhalten und die noch offene Urteilsbegründung zu prüfen.

Allgemein erhöhen viele Banken wegen fehlender Erträge höhere Gebühren und erheben zunehmend auch Negativzinsen auf hohe Einlagen.