SPIEGEL: Herr Ullrich, die CDU hat am Freitag den früheren Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen als Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 196 in Thüringen aufgestellt. Sie treten dort für die SPD an. Wie wollen Sie ihn schlagen?

Ullrich: Was Herr Maaßen macht, weiß ich nicht. Ich trete hier für die bodenständigen Thüringer vor Ort an, für die Probleme, die es in dieser Region zu lösen gilt. Ursprünglich war ich davon ausgegangen, gegen Mark Hauptmann anzutreten, der jedoch in die Maskenaffäre verwickelt war und deshalb zurückgetreten ist. Ich finde es schade, dass die CDU Thüringen nicht jemanden gefunden hat, der aus der Region kommt und auf Augenhöhe über die bundespolitischen Themen sprechen kann, die für Südthüringen wichtig sind.

SPIEGEL: Was wollen Sie im Bundestag erreichen?

Ullrich: Mein Hauptthema ist Sport. Thüringen ist ein Sportbundesland. Ich möchte gerne den Sportausschuss im Bundestag ansteuern und dem Sport mit all seinen Facetten wieder einen höheren Stellenwert verleihen, denn in allen gesellschaftlichen Bereichen unseres Lebens spielen körperliche und geistige Fitness eine entscheidende Rolle. Ebenso müssen wir die mittelständischen Unternehmen in Südthüringen noch mehr stärken. Und die Klimapolitik muss konsequent vorangebracht werden. Auch der Breitbandausbau sowie Bildungspolitik liegen mir sehr am Herzen. Der Pflegenotstand ist alarmierend.

SPIEGEL: Bei der Landtagswahl 2019 waren sie knapp einem AfD-Vertreter im Wahlkreis unterlegen. Es fehlten 0,9 Prozentpunkte. Was ist Ihre Erklärung dafür, dass die AfD in Südthüringen so stark ist?

Ullrich: Ja, es war eine sehr knappe Entscheidung. Mit der Silbermedaille war ich auch nicht unzufrieden. Ich hatte jedoch bereits während des Wahlkampfes das Gefühl, dass große Teile unserer Bevölkerung wenig Vertrauen in unsere Bundespolitik haben. Ich hörte oft: Ihr da oben wisst ja gar nicht was hier unten abgeht. Dazu kommt vielleicht auch, dass viele nach 30 Jahren…