Genügen 225.000 Euro, um einen berühmten Intellektuellen zu vereinnahmen und den eingekauften Namen als Trophäe vorzuzeigen? Seit Ende vergangener Woche stellt sich diese Frage. Sie stellt sich nicht zum ersten Mal, doch nun geht es um den wohl bedeutendsten deutschen Philosophen unserer Zeit, Jürgen Habermas.

Philosoph Habermas: »Für die Verbreitung der Bücher kann eine solche Preisverleihung doch nur Rückenwind bedeuten«

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Bei diesem Denker von Weltrang, der seit mehr als einem halben Jahrhundert für das Projekt Aufklärung und die kritische Distanz zur Macht steht, sollte es möglich sein, die Frage mit einem klaren Nein zu beantworten.

Ist es aber nicht.

Ende dieses Monats will Habermas, wie vor Kurzem bekannt wurde, den »Sheikh Zayed Book Award« entgegen nehmen, eine der am höchsten dotierten Auszeichnungen für Autoren, die auf der Welt vergeben werden. Schirmherr ist Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi und De-Facto-Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate. Der Preis ist nach seinem Vater benannt.

»Liebe, Toleranz und Dialog« – tatsächlich?

In einem Tweet sprach der Kronprinz dem 91-jährigen Preisträger seine Glückwünsche aus, wobei er kulturelle Leistungen ganz allgemein als »gemeinsame Sprache« rühmte und sich auf einige hehre Ziele berief: »Liebe, Toleranz und Dialog zwischen Nationen und Völkern«.

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Kronprinz bin Zayed: Herrscher über ein zutiefst unfreies Land

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Es ist nicht nur die verkitschte Pose eines der mächtigsten und reichsten Menschen der Welt, die hier stört. Denn in dem Land, das bin Zayed mit sämtlichen Instrumenten eines modernen Überwachungsstaats regiert, werden Liebe, Toleranz und Dialog von vielen Bewohnern jeden Tag schmerzlich vermisst.

Von dem, was Habermas heilig ist und wofür er mit seinem Lebenswerk steht, kann in den Emiraten kaum die Rede sein. Weder gibt es eine liberale und…