Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat sich für seine kritischen Bemerkungen gegenüber dem politischen System und insbesondere der Revolutionsgarden (IRGC) entschuldigt. »Ich möchte mich bei allen entschuldigen«, so Sarif auf Instagram am Sonntag.

Vor allen gehe es ihm um den Teil über Qasem Soleimani, den ehemaligen Kommandeur der Quds-Brigade der IRGC. Wenn er gewusst hätte, dass seine Aussagen durchsickern würden, hätte er sie nie gesagt. Soleimani wurde im Januar 2020 durch einen US-Luftangriff in der Nähe des internationalen Flughafens von Bagdad getötet. Seitdem hat er als Märtyrer Legendenstatus in Iran.

Hintergrund von Sarifs Entschuldigung sind Ausschnitte eines Audio-Interviews mit ihm, in dem der Außenminister das politische System, die einflussreichen Revolutionsgarden und Soleimani kritisiert hatte. Die Audio-Aufnahme wurde dann angeblich von »internen Kreisen« gestohlen und Teile davon auch von zwei persischsprachigen Nachrichtensendern in London veröffentlicht. Dies ist laut Präsident Hassan Rohani Hochverrat, weil beide Sender von »Feinden« Irans finanziert würden und im Land verboten seien.

Das »gestohlene Band« beherrscht seit Tagen die Titelseiten der iranischen Zeitungen. Wegen der Parallelen zum Watergate-Skandal in den USA ist in Iran daher auch von »Sarifs Audio-Gate« die Rede. Die Hardliner im Parlament wollen eine Klage gegen Sarif einleiten, da er in dem Interview Soleimani beleidigt habe. Vorher soll er dazu im Parlament Fragen beantworten. Sarif sagt, er habe kein »klassisches Interview« gegeben, sondern einen »theoretischen Meinungsaustausch« mit der strategischen Abteilung des Präsidialamts geführt, der geheim bleiben sollte.

Präsident Rohani distanzierte sich zwar von dem Interview, aber auch er sieht in dem Tonband-Diebstahl eine Kampagne der Hardliner. »Warum passieren gewisse Dinge gerade jetzt, wo wir bei den Atomverhandlungen in Wien kurz vor einem Erfolg stehen?«, sagte der Präsident…