Der Weg zu Morgan Large führt über geschwungene Alleen entlang gelb blühender Rapsfelder. Die Adresse ihres Hauses in Glomel im Département Côtes-d’Armor im Landesinneren der Bretagne ist nicht im GPS verzeichnet. Doch dann kommt Bob, ein Nachbar, mit einem Bier in der Hand: »Willst Du zu Morgan?« fragt er. »Das ist dort unten, wo die Straße endet.«

In letzter Zeit hat er öfter den Wegweiser gespielt. Die Journalistin des lokalen Radiosenders »Kreiz Breizh« wird seit Wochen selbst von Kolleginnen und Kollegen französischer Zeitungen, Radio- und Fernsehsender interviewt.

Morgan Larges Fall bewegt Medien und Öffentlichkeit, seit Ende März bekannt wurde, dass ihr Auto sabotiert worden war. Sie hatte es tagelang nicht bemerkt, bis sie auf dem Weg zu ihrem Haus eine Schraube am Boden fand. Ihre Autowerkstätte schließt aus, dass Abnutzung der Grund für die herausgelöste Schraube sein könnte. Jemand muss daran gedreht haben.

Large selbst ist sich sicher, dass der Anschlag mit ihrer Arbeit als Journalistin zu tun hat. Seit sie in einer TV-Dokumentation 2020 die Landwirtschaft in der Region kritisiert hatte, wurde ihr gedroht. Reporter ohne Grenzen fordert Polizeischutz für Morgan Large. 800 Menschen gingen aus Solidarität mit ihr am 6. April trotz Corona-Restriktionen in Rosporden auf die Straße und demonstrierten für den Schutz der Pressefreiheit.

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Morgen Large, 49, Journalistin in Glomel

Foto: Petra Truckendanner / DER SPIEGEL

Morgan Large sitzt auf ihrer Terrasse. Ein zotteliger Hund begrüßt Fremde freundlich, wedelt mit dem Schwanz. Sie sei eine kleine Lokaljournalistin und habe nicht vorgehabt, im Zentrum der landesweiten Aufmerksamkeit zu stehen, erzählt sie. Dennoch habe sie sich entschieden, öffentlich zu machen und zu erzählen, was ihr passiert ist – schließlich sei es wichtig, die Pressefreiheit zu verteidigen.

Seit zwanzig Jahren arbeitet Large als Journalistin in Glomel. Sie sei keine militante…