Globale Gesellschaft

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In der vergangenen Woche schaute Stéphane Heymans mit seinen Mitarbeiterinnen jeden Morgen auf die Uhr: Sechs Stunden haben sie pro Tag, um ihren Auftrag zu erfüllen. Was schafft man in dieser Zeit? Heymans stellt sich diese Frage derzeit täglich. Der 47-Jährige ist Geschäftsführer der »Centrale de Services à Domicile« (CSD), eines gemeinnützigen Pflegedienstes in Brüssel.

Seit Montag ist er außerdem mitverantwortlich für die Impfung von 15.000 Menschen in der belgischen Hauptstadt. Es sind diejenigen, die es selbst nicht zum Impfzentrum oder zum Arzt schaffen. Pflegebedürftige Senioren, hochschwangere junge Frauen, psychisch Erkrankte. Sie alle sollen ab dieser Woche mobil geimpft werden, oft also zu Hause.

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Impfung in Belgien: Bislang wurden in Brüssel erst 70 Prozent der Bewohner über 75 geimpft

Foto: Francisco Seco / AP

Doch der dafür eigentlich vorgesehene Impfstoff von Johnson & Johnson ist noch nicht da. Deshalb impfen Heymans und sein Team jetzt erst einmal mit AstraZeneca. »Astra«, wie er manchmal sagt, ist bei Kühlschranktemperatur jedoch nur wenige Stunden haltbar. Deshalb der tägliche Wettlauf gegen die Uhr. Sechs Stunden ist das Vakzin mobil lagerbar, mehr Zeit gibt es nicht.

Die Zeit ist nur eine Herausforderung von vielen, denen der Belgier in der vergangenen Woche begegnet ist. Dann ist da noch die Logistik. Die Mitarbeiterinnen, so erzählt Heymans am Telefon, müssten jede leere Ampulle, ja sogar jede Nadel zurück in das städtische Impfzentrum bringen. Am folgenden Tag werde nachgezählt. »Der Corona-Impfstoff ist gerade wertvoller als Bitcoins«, sagt Heymans.

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Impfzentrum auf dem Messegelände in Brüssel:…