Am Anfang ahnte Sebastian Maaß nichts Böses: Ende März, als sich dieser monströse Containerfrachter im Suezkanal quer stellte, den Verkehr durch die wichtigste Wasserstraße von Asien nach Europa tagelang blockierte und »Ever Given«-Memes die sozialen Netzwerke überschwemmten.

Damals wusste der Chef des Tübinger Onlinehandelshauses Ares noch nicht, dass seine 135 Kartons aus China voller Objektivdeckel, Kamerataschen und anderem Fotozubehör ausgerechnet auf der »Ever Given« nach Europa transportiert werden sollten. Ihm schwante nicht, dass er monate- oder jahrelang nicht an seine Ware kommen würde. Und er kam nicht auf den Gedanken, dass er obendrauf auch noch Tausende Euro für die Havarie bezahlen müsste.

Doch genau das dräut ihm nun.

Die Hiobsbotschaft bekam Maaß am 9. April. »Die ›Ever Given‹ wird […] von den ägyptischen Kanalbehörden festgehalten, bis die angefallene Auslösesumme von der Reederei bezahlt wird«, schrieb sein Frachtdienstleister Rhenus Logistik. »Als Reaktion hierauf hat die Reederei eine Havarie-grosse angemeldet.«

Und das bedeutet: Es wird teuer, für Maaß und alle anderen Händler, die Ware auf dem Unglücksfrachter mit seinen rund 18.000 Containern haben. Denn Ägyptens Suezkanal-Behörde fordert 916 Millionen Dollar Schadens- und Kostenersatz.

Die »Havarie-grosse« oder »Große Haverei« ist ein jahrtausendealtes Verfahren, um Schäden in der Seefahrt zu regeln. Erklären Schiffseigner in außergewöhnlichen Situationen diesen Fall, müssen sich die Eigentümer der Ladung an den Rettungskosten und weiteren entstandene Schäden beteiligen – entsprechend dem Wert ihrer beförderten Güter.

Die von den japanischen »Ever Given«-Eignern beauftragte Londoner Anwaltskanzlei Richard Hogg Lindley hat die Betroffenen bereits aufgefordert, zu erklären, dass sie sich an einer Sicherheitsleistung beteiligen. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das dem SPIEGEL vorliegt.

Die Kanzlei bestätigte auf Anfrage die Authentizität des…