Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vergangene Woche gab sich die EU erstmals ein eigenes Klimagesetz, die USA sorgten mit ihrem zweitägigen Gipfel für Dynamik bei den weltweiten Emissionszielen und am Donnerstag schließlich verdonnerte das Verfassungsgericht die Bundesregierung in einem geradezu historischen Urteil zum Nachschärfen der Klimapolitik: Nach einer kurzen Corona-Delle hat sich die Klimakrise wieder mit Wucht an die Spitze der politischen Agenda katapultiert.

Die Rettung des Planeten ist also auf einem guten Weg? Sofern man daran glaubt, dass sich die rund 30 Jahre in der Zukunft liegenden Klimaziele erfüllen, dann ja. Schaut man auf die sich abzeichnende Entwicklung in diesem und im nächsten Jahr, dann sicher nicht.

Die Wissenschaftler James Dyke, Robert Watson und Wolfgang Knorr haben sich vor diesem Hintergrund in einem viel beachteten Beitrag auf der Plattform »The Conversation« kritisch mit den Netto-Null-Zielen von Staaten und Unternehmen bis 2050 befasst. Das gesamte Konzept, hinter dem Versprechen, in ein paar Jahren netto keine Treibhausgase mehr auszustoßen, sei eine »gefährliche Falle«, glauben die Forscher. Netto-Null bedeutet (je nachdem nur für CO₂ oder alle Klimagase), dass nur noch so viel Emissionen in die Atmosphäre gelangen, wie ihr an anderer Stelle wieder entzogen werden, sodass die Gesamtbilanz ausgeglichen ist.

Vage Hoffnung auf technische Lösungen

Seit der Jahrtausendwende, schreiben die drei, habe nachträgliches Entfernen von CO₂ aus der Atmosphäre (zum Beispiel mit CCS oder BECCS) eine immer größere Rolle in Klimamodellen gespielt, denn anders schien es kaum noch möglich, vernünftig zu skizzieren, wie die Welt schnell genug klimaneutral werden könnte. Wenig später dann hätten Forscher begonnen, über »Overshoot-Szenarien« zu diskutieren, also die Idee, dass der Planet Klimalimits auch notfalls kurzzeitig überschreiten könnte, wenn im Anschluss der Atmosphäre schnell genug so viel CO₂ entzogen wird, dass die…