Julia Zwetkowa wird für ihre Kunst in Russland seit Jahren verfolgt. Damit sie einen öffentlichen Prozess bekommt, hat sie nun angekündigt, in den Hungerstreik zu ziehen. »Ich verlange, meinen Prozess öffentlich zu machen«, schrieb sie am Samstag. Die Gründe für den Ausschluss der Öffentlichkeit seien weit hergeholt. Der 27 Jahre alten Feministin wird die Herstellung und Verbreitung von pornografischem Material vorgeworfen, weil sie künstlerische Darstellungen des weiblichen Körpers in den sozialen Medien teilte. Ihr Anwalt hatte zum Prozessauftakt im April die Unschuld seiner Mandantin beteuert.

Zwetkowa steht auf Liste politisch Verfolgter

Sie verlange zudem, sich »mit allen rechtlichen Mitteln« verteidigen zu können und das Verfahren nicht länger hinauszuzögern, schrieb Zwetkowa. »Wie Sie sehen, bitte ich nicht darum, mich freizusprechen.« Die Staatsanwaltschaft und die Richter sollten ehrlich zu sich selbst sein und endlich eine Entscheidung treffen. Für sie sei es schwer, isoliert zu sein und nicht arbeiten zu können.

Die Menschenrechtsorganisationen Memorial und Amnesty International haben Zwetkowa offiziell auf die Liste der politisch Verfolgten gesetzt. Amnesty hatte zuletzt die russischen Behörden aufgefordert, alle Vorwürfe gegen sie fallenzulassen. Sie habe lediglich von ihrer Kunstfreiheit Gebrauch gemacht, so die Menschenrechtsaktivisten. Die Künstlerin ist für ihren Einsatz für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LGBTI) landesweit bekannt.