Nun ist es also passiert: Hans-Georg Maaßen, der frühere Verfassungsschutzchef, für den das Attribut »umstritten« inzwischen als zu milde gelten kann, wurde gestern mit der Zustimmung von 37 der 43 Delegierten und damit von 86 Prozent zum Bundestagskandidaten der CDU für den Wahlkreis 196 in Südthüringen aufgestellt.

Wie Veit Medick aktuell hier im SPIEGEL ausführt, gibt es »niemanden in der CDU«, der »so polarisiert wie er«. Für seine Anhänger sei Maaßen »ein Klartexter«. Für seine Gegner hingegen »ein Scharfmacher« und »Ideologe, der die Brandmauer zu den Rechtsextremen sprengt«. In der Tat: Der Riss verläuft mitten durch die Partei hindurch. Und ist nicht auf den Osten beschränkt, auch wenn Maaßen dort besonders beliebt ist.

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Privat

Liane Bednarz ist Publizistin und promovierte Juristin. Sie betrachtet das Zeitgeschehen aus einer liberal-konservativen Perspektive. Insbesondere beschäftigt sie sich mit der Neuen Rechten, dem Populismus und religiösen Bewegungen. Im Frühjahr 2018 erschien im Droemer-Verlag ihr letztes Buch »Die Angstprediger – Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern«. Liane Bednarz lebt in Hamburg.

Wackerer Kämpfer gegen das »Partei-Establishment«

Es ist reichlich naiv zu glauben, Maaßen sei nur einfach so etwas wie ein neuer Alfred Dregger, jemand, den die CDU unter Kohl wie die damalige »Stahlhelm«-Fraktion integrieren könne, um bloß dem Strauß’schen Mantra gerecht werden zu können: »Rechts von der CDU/CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben.« Indes: »Things have changed«. So lautet ein dieser Tage erneut sehr passender Songtitel von Bob Dylan. Es gibt sie längst, die demokratisch-legitimierte, also gewählte Partei rechts der CDU, was allerdings nichts über ihre Demokratietreue aussagt. Genau deshalb sieht nun auch der Verfassungsschutz so genau bei ihr hin.

Und genau deshalb droht die Causa Maaßen für die CDU zu einer Zerreißprobe…