von Dieter Hoß

01.05.2021, 12:11 Uhr

USA gegen Russland – das war das ewige Duell um die Vorherrschaft im All. Längst gibt es weitere Raumfahrtnationen. Doch die neue Supermacht im All ist China. Das Riesenreich baut nun eine eigene Raumstation.

Während die russische Raumfahrtagentur Roskosmos am Donnerstag ihren Raumfrachter vom Typ Progress MS-14 nach 369 Tagen im All ausrangierte und über dem Pazifik gezielt zum Absturz brachte, stieg am selben Tag eine gewaltige „Langer Marsch 5B“-Rakete auf und beförderte das Kernmodul der künftigen chinesischen Raumstation in den erdnahen Weltraum. Beide Ereignisse standen nicht im direkten Zusammenhang, und doch symbolisieren sie gemeinsam einen Wachwechsel in der internationalen Raumfahrt. Der ehemalige Schüler China hat den früheren Lehrmeister Russland unter den führenden Raumfahrtnationen überflügelt. Mehr noch: Wenn in wenigen Jahren die ISS außer Dienst gestellt wird, ist China die einzige Nation mit einem Außenposten im All. 

„Allgemein demonstriert eine Raumstation die Breite der Raumfahrttechnik in einem Land“, betont der frühere deutsche Astronaut Reinhold Ewald, heute Professor an der Universität Stuttgart, wie weit es die chinesische Raumfahrt inzwischen gebracht hat. Allerdings ist es nicht nur der Bau des „Himmelspalastes“, wie die Station heißen wird, der belegt, dass China zur Raumfahrt-Supermacht geworden ist. Gerade in jüngerer Zeit hat Chinas Nationale Raumfahrtbehörde CNSA immer wieder mit bahnbrechenden Missionen von sich reden gemacht.

China: Erfolge auf Mond und Mars

Allen voran die historische Landung auf der sogenannten „dunklen Seite“ des Mondes im Januar 2019. Keiner anderen Nationen ist das bisher geglückt. Dank einer indirekten Kommunikation mit der Erde über eine eigens in den Mondorbit gebrachten Relaisstation läuft die Mission seither soweit bekannt erfolgreich –…