In einem Papier zu neuen Gentechnikverfahren schreibt sie, dass »wenige manipulierte Turbopflanzen den Wandel hin zu einer umwelt- und naturverträglichen Landwirtschaft« blockierten. Die neue Gentechnik drohe genau jenes Agrarsystem zu verlängern, »das viele der Probleme, die es auf den Äckern gibt, verursacht hat«.

Doch wie viele Gentechnikkritiker verwechselt Schulze Werkzeug und Produkt. Es stimmt: Die Industrie hat in der Vergangenheit »Turbo­pflanzen« erschaffen, Gewächse wie den RoundupReady-Mais der (inzwischen von Bayer gekauften) Firma Monsanto etwa. Solche Schöpfungen sind gegen Pestizide wie Glyphosat, ebenfalls zum Beispiel hergestellt von Bayer, immun. Im Zusammenspiel eingesetzt, verwandeln sie ganze Landstriche in Agrarwüsten und zwingen Bauern in die Abhängigkeit.

Das jedoch liegt am Produkt und am zynischen Geschäftsmodell, nicht an der Gentechnik selbst.

Mit neueren Methoden wie Crispr/Cas9 können Pflanzen erschaffen werden, die von konventionell gezüchteten nicht zu unterscheiden sind. Schneller als je zuvor lassen sich auf diese Weise Sorten herstellen, die weniger Pestizide und Dünger brauchen und Resistenzen gegen Schädlinge und Trockenheit besitzen. Solche Pflanzen sind unumgänglich, um die Klimakrise zu meistern.

In Deutschland werden wir uns zwar noch einige Jahrzehnte mit herkömmlichen Arten und Sorten über die Krise retten können. Mais und Sojabohnen beispielsweise könnten künftig vermehrt angebaut werden. Sie sind an wärmeres, trockeneres Klima angepasst. In Europas Süden jedoch und noch mehr global gesehen sind neu entwickelte Pflanzensorten dringend nötig, um die zu erwartenden Ernteeinbrüche zu kompensieren.

Die EU-Kommission hat dies nun gerade anerkannt. Eine neue Studie im Auftrag der Kommission zeigt auf, dass moderne Gen-Editierungsverfahren das Potenzial haben, im Rahmen der Ziele des Green Deals und der Farm to Fork-Strategie der EU zu einem nachhaltigeren Lebensmittelsystem beizutragen. Das derzeit geltende…