Die Miniaturgebäude waren eigens mit dem Schiff angereist: Majestätisch thronten sie auf der Fahrt durch das weit verzweigte, von vielen Schleusen unterbrochene Kanalsystem von Berlin nach Duisburg an Deck des Binnenschiffes. Eine ungewöhnliche Fracht: 21 im Künstleratelier endgefertigte Skulpturen. Im Duisport, dem größten Binnenhafen Europas, wurden sie Anfang April ausgeladen und behutsam auf einen Tieflader verfrachtet.

Auf den ersten Blick sehen die Skulpturen klein und fragil aus, aber einige sind tonnenschwer. Gegossen aus massivem Beton, leicht eingefärbt mit mediterranem Natursand. Hergestellt wurden sie in Spezialwerkstätten im Ruhrgebiet, die sonst in ganz anderen Dimensionen riesige Bauteile produzieren.

Andere Teile, wie Fenster, Simse und andere Details – haben die Künstler in ihrem Berliner Werkstattkomplex aus Stahlkonstruktionen und Plexiglas oder aus Aluminiumplatten angefertigt. Modulare Bauweise- wie bei echter Architektur – nur eben in Miniaturformat. Aber auch da muss jede Sichtachse, jede Fensterkante stimmen.

Baustelle: Die Künstler Marta Dyachenko und Julius von Bismarck beim Aufbau der Skulpturen

Künstlerische Interpretation der Realität

Über zwei Jahre hat die Planung der mehrteiligen Kunstinstallation gedauert. Der Künstler Julius von Bismarck hat sich für das aufwendige Projekt die Architektin und Künstlerin Marta Dyachenko an die Seite geholt. Gemeinsam im Team haben beide die Nachbauten der Gebäude erst als 3D-Modelle konzipiert und dann als Skulpturen künstlerisch umgesetzt.

Ein Stab von Spezialisten und engagierten Kunststudenten unterstützte die beiden Künstler bei Vorrecherchen, der Fertigung und am Ende beim Aufbau vor Ort in Duisburg. „Das sind keine ganz genauen Abbildungen“ sagt Julius von Bismarck im DW-Interview. „Wir haben probiert, die Aura der Gebäude wiederzuspiegeln. Beim Übersetzen in andere Materialien muss man Dinge teilweise auch verändern.“

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