Regelmäßig versuchen Menschenrechtsaktivisten aus Südkorea das Regime nördlich der Grenze mit per Ballons versandten Flugblättern zu kritisieren. Bei der kommunistischen Führung in Pjöngjang sorgt das für Ärger – zuletzt drohte das abgeschottete Land sogar, ebenfalls Flugblätter auf den Süden niederregnen zu lassen. Trotz eines Verbots haben Aktivisten nun offenbar erneut eine halbe Million Flugblätter an Gasballons gen Norden geschickt.

Wie bei vorherigen Aktionen enthalten die Blätter Kritik an Nordkoreas Diktator Kim Jong-un, teilte der aus Nordkorea geflüchtete Leiter der Gruppe Fighters for a Free North Korea (Kämpfer für ein freies Nordkorea), Park Sang Hak, mit. An die insgesamt zehn Ballons seien auch 500 Broschüren und 5000 Ein-Dollar-Geldscheine geheftet gewesen. Park war vor rund 20 Jahren aus Nordkorea geflohen. Seitdem kämpft er aus Seoul gegen Kim Jong-un.

Das Vereinigungsministerium in Seoul bestätigte die Angaben zunächst nicht. Es wäre die erste solche Aktion, seit Ende März eine Gesetzesänderung in Kraft trat, wonach das Versenden von Flugblättern und anderer Dinge an der militärischen Demarkationslinie zwischen beiden Ländern verboten ist. Verstöße können mit bis zu drei Jahren Haft oder mehr als 22.000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Die südkoreanische Regierung begründet das Verbot damit, dass sich beide Länder geeinigt hätten, auf gegenseitige Verleumdungen und Flugblattaktionen an der Grenze zu verzichten. Auch gefährdeten solche Aktionen die Sicherheit.

Nordkorea hatte wiederholt verärgert reagiert. Im vergangenen Jahr hatte die international isolierte Führung in Pjöngjang nach einer solchen Aktion die Kommunikationsleitungen zwischen beiden Ländern gekappt und ein Verbindungsbüro an der Grenze gesprengt.