Bei einem der schwersten Zwischenfälle seit langem im Grenzstreit zwischen Kirgistan und Tadschikistan in Zentralasien hat es mehr Opfer gegeben als zunächst gemeldet. Das Gesundheitsministerium in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek teilte mit, man habe 13 Tote, darunter ein 13-jähriges Mädchen, und 134 Verletzte zu beklagen. 11.500 Anwohner im Grenzgebiet hätten wegen der schweren Gefechte ihre Häuser verlassen müssen. Sie seien nun in Sicherheit. Augenzeugen sprachen von brennenden Häusern. Die Lage sei angespannt, hieß es weiter.

Feuerpause vereinbart 

Die an China grenzenden Ex-Sowjetrepubliken gaben sich gegenseitig die Schuld an der neuen Eskalation der Lage, wie Medien berichteten. Kirgistan nahm nach eigenen Angaben einen tadschikischen Grenzposten ein. Inzwischen vereinbarten die Militärs beider Seiten eine Feuerpause.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatten die zentralasiatischen Republiken 1991 ihre Eigenständigkeit erlangt. Um fast die Hälfte der beinahe 1000 Kilometer langen Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan gibt es aber immer wieder Streitigkeiten. Der Grenzverlauf ist nicht eindeutig markiert. Zuletzt bot sich Russland als Vermittler in dem Konflikt an.

Nach den Gefechten beraten der Regierungschef Kirgistans, Ulukbek Maripow (r.), und sein tadschikischer Kollege Kokhir Rasulzoda über eine Lösung des Konflikts

Auslöser der neuen Gewalt war ein Streit um den Zugang zu Wasserressourcen. Das nationale Sicherheitskomitee Tadschikistans warf kirgisischen Soldaten vor, an der Wasserverteilungsstelle Golownaja am Fluss Isfara in der tadschikischen Exklave Woruch das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffnet zu haben. Die kirgisische Seite wiederum beschuldigte Tadschikistan, den Konflikt durch die Installation einer Überwachungskamera „absichtlich provoziert“ zu haben. Kirgisische Grenzschützer nahe dem Dorf Kök-Tasch forderten, diese Arbeiten zu stoppen. Anwohner beider Länder bewarfen sich mit Steinen. Dann fielen Schüsse.

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