Gewöhnlich eckt Rammstein allenfalls mit Songtexten und Musikvideos an. Zuletzt aber ging es in einem politischen Kontext um die Metal-Band: beim Vorgehen der russischen Justiz gegen den Oppositionellen und Nawalny-Mitstreiter Andrej Borowikow. Dieser war am Donnerstag zu zweieinhalb Jahren Strafkolonie verurteilt worden, weil er durch das Teilen eines Rammstein-Videos Pornografie verbreitet haben soll.

2014 habe er einen Videoclip des Lieds »Pussy« der deutschen Band auf seiner Seite im sozialen Netzwerk VKontakte gepostet, hieß es zur Begründung. Das Video hatte bei der Veröffentlichung einen Skandal ausgelöst. Rammstein hatte sich zu dem bereits seit Längerem laufenden Prozess gegen Borowikow bislang nicht geäußert, mehrere Anfragen des SPIEGEL ließ das Management der Band unbeantwortet.

Nun teilte Gitarrist Richard Kruspe auf Instagram mit, er sei »schockiert« über die Härte des Urteils. »Ich bedauere sehr, dass Andrej Borowikow dafür zu einer Haftstrafe verurteilt wurde«, schrieb Kruspe in dem Post auf seinem privaten Account. »Rammstein hat immer für die Kunstfreiheit als Grundrecht aller Menschen eingestanden.«

Auf den offiziellen Kanälen der Band gab es dagegen weiter keine Stellungnahme zu dem Prozess gegen Borowikow. Der Oppositionelle hatte sich zuletzt enttäuscht gezeigt über die ausbleibende Unterstützung der Band.

Laut Borowikow hatte in der Vergangenheit auch Alexej Nawalny das Management der Band angeschrieben. »Aber nichts kam zurück. Es ist bitter und sehr enttäuschend, gerade für eine Band, die sich mit Skandalen einen Namen gemacht hat.«

Borowikow sagte zuletzt, er glaube, dass die Zurückhaltung der Band mit finanziellen Interessen zusammenhänge. Gerade Rammstein-Frontmann Till Lindemann ist immer wieder in Russland unterwegs, wie Bilder auf seinem Instagram-Account zeigen. Er veröffentlichte zuletzt sogar einen Song komplett auf Russisch (»Lubimij Gorod«, Lieblingsstadt).

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