Deutschland ächzt unter der dritten Welle, und die ganze Kulturbranche liegt darnieder. Die ganze Kulturbranche? Nein. Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen, in nicht-pandemischen Zeiten besonders bekannt und beliebt für ihren partizipativen Ansatz und ihr engagiertes Publikum, sollen zu ihrem 75. Jubiläum stattfinden – mit einem hochkarätigen und vielfältigen Programm.

Was wie ein frommer Wunsch klingen mag, ist es ganz und gar nicht. Das Team um Intendant Olaf Kröck und Chefdramaturg Jan Hein hat in den letzten Wochen und Monaten weder Zeit noch Mühen gescheut, um im Jubiläumsjahr so viel wie irgend möglich stattfinden zu lassen, ohne die Pandemie dabei aus den Augen zu verlieren. Dieses Ziel erfordert viel Kreativität, Offenheit, Mut und vor allem: Spontaneität.

Täglich neue Szenarien

Denn allein mit einem Corona-Beauftragten und ausgefuchsten, individuell auf die Vorführungen abgestimmten Hygiene-Konzepten ist es bei weitem nicht getan – ändern sich doch seitens der Regierung ständig die Bestimmungen und Regulierungen. Daher haben Kröck, Hein und ihr Team von Anfang an auf einen Mix aus Live-Veranstaltungen, digitalem Programm und hybriden Formen gesetzt.

Chefdramaturg Jan Hein ist seine ungebrochene Energie im Telefoninterview mit der DW anzuhören: „Diese Situation ist unvergleichbar und bleibt auch unvergleichbar, wenn man sie ernst nimmt und nicht runterspielen will. Man muss dem einfach entgegentreten und nicht resignieren, sondern auch versuchen, der Sache positive Seiten abzugewinnen“, so Hein. „Wir versuchen, die Nerven so lange zu behalten, wie es geht, und das Angebot, das wir machen können, maximal aufrecht zu erhalten.“

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Die Schwierigkeit der Aufgabe ist ihm und seinem Team dabei bewusst. „Es ist natürlich schmerzhaft, uns in die Augen zu schauen und zu sagen: Was können wir denn eigentlich noch anbieten, ohne als Träumer, als…