1. Die EU wirft dem US-Konzern Apple den Missbrauch seiner Marktmacht vor und droht mit hohen Geldbußen

Der US-amerikanische Konzern Apple bietet nützliche, elegante Geräte und allerlei Dienste an, gilt Wirtschaftsleuten als die wertvollste Marke der Welt und ist vielen Menschen wegen seiner ungeheuren Marktmacht unheimlich. Ich habe mir in meinem Journalistenleben öfter mal gewünscht, Chefinnen oder Chefs zu begegnen, die sich für den Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Devise des Apple-Mitgründers Steve Jobs zu eigen machen: »Es ist sinnlos, kluge Köpfe einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie zu tun haben«, hat Jobs behauptet. »Wir stellen kluge Köpfe ein, damit sie uns sagen, was wir tun können.«

Weil einige kluge Menschen aus der Apple-Belegschaft offensichtlich nach immer noch größeren Erträgen gieren, hat heute die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager dem Konzern den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung bei Musik-Streamingdiensten vorgeworfen. Nach einer Beschwerde des Konkurrenten Spotify kam die europäische Wettbewerbsaufsicht zu der zumindest vorläufiger Einschätzung, dass Apple in Europa den Wettbewerb zum Nachteil von Konkurrenten und Kunden stört. Kommissarin Vestager sagte: »Durch strikte Regeln im App Store zum Nachteil konkurrierender Musik-Streamingdienste nimmt Apple den Nutzern die Wahl, billigere Dienste zu nutzen.« Die Einschätzung der EU ist eine Vorstufe zu einer Kartellstrafe, die bis zu zehn Prozent des relevanten Jahresumsatzes betragen kann. Der US-Konzern hat jetzt Gelegenheit, zu der Beschwerde Stellung zu nehmen und Konzessionen einzuräumen. Erst danach fällt die Entscheidung über eine Geldbuße.

Ich habe meinen SPIEGEL-Kollegen Matthias Kremp gefragt, wie er die Chancen des US-Konzerns im Streit mit den Kartellwächtern einschätzt. »Das Geschäftsmodell des App Store steht auf dem Prüfstand, nicht nur in der EU«, sagt Matthias. »In Kalifornien beginnt am Montag ein…