von Tim Sohr

30.04.2021, 06:33 Uhr

Haben Talkshows zum Thema Corona nach über einem Jahr Pandemie eigentlich überhaupt noch Sinn? Zumindest nicht, wenn sie so ablaufen wie bei „Maybrit Illner“, wo der Geduldsfaden der einzigen Wissenschaftlerin in der Runde zum Zerreißen gespannt war.

Bei Twitter hatten sie tagsüber schon mit den Hufen gescharrt. Die User konnten kaum glauben, dass mit Jan Josef Liefers, Boris Palmer und Wolfgang Kubicki gleich drei beratungsresistente Besserwisser auf einmal zu Gast bei „Maybrit Illner“ sein würden.

„Das wird unterhaltsam“, so der Tenor.

Wird es eben nicht. Denn die unausgewogene Runde – von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (im Auftritt gewohnt nüchtern am Rande der Farblosigkeit) und der Wissenschaftsvermittlerin Mai Thi Nguyen-Kim, die mit dem Kopfschütteln kaum aufhören kann, komplettiert – kommt nur selten in die Gänge.

Liefers erkennt „gewisse Homogenität“ im Corona-Journalismus

Das liegt natürlich zuvorderst am thematisch zerfaserten Talk, der von Schauspielerprotest über Öffnungsmodelle bis zur Aussagekraft von Inzidenzwerten mal wieder viel zu viele Corona-Problematiken auf einmal anreißt und deshalb nie in die Tiefe geht.

Schauspieler Liefers steht zunächst im Mittelpunkt des Interesses, um sich abermals für seine Teilnahme an #allesdichtmachen zu rechtfertigen. Das gelingt ihm ein bisschen besser als vor ein paar Tagen in der „Aktuellen Stunde“ des WDR, aber immer noch nicht überzeugend.

Spätestens als er eine „gewisse Homogenität“ in der Corona-Berichterstattung erkannt haben will, macht er sich unglaubwürdig, weil er nur leicht zeitversetzt ebenfalls einräumt, kurz vor Weihnachten alles abbestellt und nichts mehr angeguckt oder gelesen zu haben. Moderatorin Illner verteidigt daraufhin den…