Es war 00.50 Uhr in der Nacht zum Freitag als Nadav Metzner einen Notruf bekam. »Etwas stimmt nicht«, sagte die Leitstelle. »Wir wissen nicht genau was, aber ihr müsst sofort kommen.«

Der 36-jährige Metzner ist Sanitäter für den Rettungsdienst Magen David Adom. Er war vergangene Nacht am Berg Meron stationiert. Der Gipfel, etwa 1200 Meter hoch, liegt im Norden Israels unweit des See Genezareth.

Jedes Jahr finden hier Feierlichkeiten für das jüdische Lag-Ba’Omer-Fest statt. Normalerweise wird es mit Lagerfeuern gefeiert, aber viele religiöse Juden gedenken auch dem Todestag des Rabbiners Schimon Bar Jochai. Weil sein Grab auf dem Berg Meron liegt, zieht es Berichten zufolge jeweils hunderttausende Pilger in der Nacht des Feiertags dorthin.

Binnen Sekunden waren Rettungskräfte vor Ort

Metzner sagt, er und seine Kollegen seien auf die Menschenmassen eingestellt gewesen. Hunderte Sanitäter seien in der Nacht am Berg stationiert gewesen, Krankenwagen hätten für den Notfall gewartet, drei temporäre Kliniken seien aufgebaut worden. Vorsichtsmaßnahmen, erklärt Metzner. »Wir behandeln bei solchen Veranstaltungen oft Menschen mit kleineren Verletzungen.« Doch mit dem, was gestern Nacht passierte, habe niemand gerechnet.

»Nach dem Anruf sind wir sofort losgerannt«, erzählt Metzner am Telefon. Binnen 45 Sekunden seien er und seine Kollegen am Unfallort gewesen. Hunderte Menschen seien ihnen entgegengelaufen. »Sie schrien: Es ist da unten! Da unten! Alle rannten nur noch.«

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Sanitäter am Berg Meron kurz nach dem Unglück in der Nacht zum 30. April.

Foto: David Cohen / imago images/Xinhua

Metzner sagt, er habe in diesem Moment Schlimmes geahnt. Der Ausgang am Berg Meron führe bergab. »Wenn einer fällt, fallen alle. Es ist wie Domino.« Als er an der Unglückstelle ankam, sah er eine Menschenmasse – aber er sah auch, dass aus der Menge Körper herausragten. Viele bewegten sich nicht.

»Wir haben sie herausgezogen«,…