Die erst jüngst gekürte Doppelspitze der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) könnte schon bald Geschichte sein. Erst Mitte April waren Carlo Clemens und Marvin Neumann gewählt worden, um als gleichberechtigte Vorsitzende die JA zu führen.

Das gemäßigte und radikale Lager, so der Plan, sollten so an der Spitze der Organisation repräsentiert sein. Co-Parteichef Tino Chrupalla war zum Parteitag im hessischen Volkmarsen angereist und hatte vor den rund 250 Delegierten gesprochen. Nach der Wahl zeigten sich Clemens und Neumann den Fotografen – einträchtig nebeneinander.

Wie lange Neumann noch Teil des Führungsduos sein wird, ist aber fraglich. Ihm droht ein Ausschlussverfahren. Der AfD-Bundesvorstand beschäftigte sich am Freitag ausführlich mit Neumann. Der Grund: Die interne Arbeitsgruppe Verfassungsschutz, die eine Beobachtung der Partei durch den Inlandsgeheimdienst verhindern soll, hatte in einem fünfseitigen Schreiben Maßnahmen gegen Neumann empfohlen. Der Brief liegt dem SPIEGEL vor.

Zunächst soll Neumann am Montag dem AfD-Bundesvorstand Fragen zu früheren Äußerungen in sozialen Medien beantworten. Im Anschluss daran soll der Vorstand über mögliche Ordnungsmaßnahmen gegen Neumann entscheiden. Wie der SPIEGEL aus Vorstandskreisen erfuhr, wird damit gerechnet, dass die Mehrheit im Bundesvorstand um Co-Parteichef Jörg Meuthen ihn aus der Partei drängen will.

Die Vorwürfe gegen Neumann, der aus dem Brandenburger JA-Landesverband stammt, sind gewichtig. Das Schreiben der internen Arbeitsgruppe listet zahlreiche Screenshots von Posts eines »Marvin T. Neumann« auf Twitter und »vermutlich auf Facebook« auf. Man sei »fassungslos«, schreibt Knuth Meyer-Soltau, der neue Leiter der Arbeitsgruppe, in dem Brief an den Bundesvorstand. Die Posts hätten das Potenzial, die JA durch das Bundesamt für Verfassungsschutz »unmittelbar als erwiesen extremistische Bestrebung hochzustufen«.

So hatte »Marvin T. Neumann« demnach am 2. Dezember 2020…