Madagaskar zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Nun steht im Süden des Landes nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen womöglich eine Hungersnot bevor. »Solche Bilder habe ich seit langer Zeit in keinem Land der Welt mehr gesehen«, sagte WFP-Einsatzdirektor Amer Daoud. »Wir steuern auf ein Desaster zu.«

»Die Menschen versuchen verzweifelt zu überleben und essen Heuschrecken, Blätter und rohe Kaktusfrüchte«, sagte Daoud. Er habe in abgelegenen Dörfern kleine Kinder gesehen, die nur noch aus Haut und Knochen bestanden und Mütter, deren Arme er mit Zeigefinger und Daumen habe umgreifen können.

Einige Mütter hätten ihre letzten Kochutensilien verkauft, um mit dem Geld Essen für ihre verhungernden Kinder zu besorgen. 1,35 Millionen Menschen bräuchten dringend Unterstützung. In Madagaskar leiden bereits jetzt 16,5 Prozent der Kinder unter fünf Jahren unter akuter Mangelernährung, wie das WFP unter Berufung auf Daten des Gesundheitsministeriums mitteilte. Das sind fast doppelt so viele wie noch vor vier Monaten.

Das WFP habe in letzter Zeit wegen völlig unzureichender Ressourcen nur 750.000 Menschen mit halben Rationen versorgen können, teilte die Uno-Organisation mit. Es seien dringend 75 Millionen Dollar (rund 63 Millionen Euro) nötig, um die Versorgung zu verbessern und über Juli hinaus sicherzustellen.

Dürrejahre und Sandstürme

In manchen Distrikten sei mehr als ein Viertel der Menschen akut unterernährt. Auslöser seien seit mehreren Jahren anhaltende Dürre, klimabedingte Schocks sowie Sandstürme, die viele Felder unbestellbar gemacht hätten. Es habe auch in diesem Jahr bislang wenig geregnet. Die Regierung erwarte in der Region höchstens 40 Prozent der durchschnittlichen Ernte der vergangenen fünf Jahre.