In der Partei ist die Kampagne umstritten, die politischen Gegner bekämpfen sie, doch die Linke Sachsen-Anhalt bleibt unbeirrt dabei: Die Landespartei setzt im Landtagswahlkampf auf einen harten Anti-»Wessi«-Kurs.

Am vergangenen Freitag wurde bereits ein entsprechendes Plakat für den Wahlkampf zur Landtagswahl am 6. Juni vorgestellt. »Nehmt den Wessis das Kommando« heißt es auf einem der Motive. Nun legt die Partei mit einem Thesenpapier nach.

Das noch nicht veröffentlichte Papier liegt dem SPIEGEL vor. Es knüpft an der Plakataktion an und trägt den Titel: »Nehmt den Wessis das Kommando! Einstieg in eine notwendige Debatte.« Verfasst wurde es von der Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern und dem Linken-Landeschef Stefan Gebhardt.

Die Linken sind für ihre Kritik an Westdeutschland und an der Wiedervereinigung bekannt, doch die Schärfe dieses Papiers ist selbst für die einstige Ost-Partei neu. Die Schrift ist als Abrechnung auch mit in Ostdeutschland lebenden Führungskräften aus dem Westen zu verstehen.

»Der Wessi ist immer der Chef.«

Aus dem Thesenpapier der Linken in Sachsen-Anhalt

In Ostdeutschland würden zwei Drittel der hundert größten Unternehmen von Westdeutschen geführt, heißt es. »Drei Jahrzehnte nach der deutschen Einheit gilt für die Mehrheit der Ostdeutschen: Der Wessi ist immer der Chef«, schreiben die Linken. Es gelte als normal, »dass Ostdeutsche auf den Kommandobrücken nichts zu melden haben«.

Was die Linke in Sachsen-Anhalt beklagt:

Die Mehrzahl der Abteilungs-, Referats- und Stabsleiter in den Ministerien komme aus dem Westen.

Nur eine Minderheit der Rektorinnen und Präsidenten der Hoch- und Fachschulen komme aus dem Osten.

In einigen Einrichtungen und Behörden wie etwa dem Uni-Klinikum in Halle oder der Polizei sei der Anteil ostdeutscher Führungskräfte sogar stetig gesunken.

In dem Papier bezieht sich die Linke auf verschiedene Erhebungen der vergangenen Jahre. Es brauche »eine gezielte Förderung des ostdeutschen…