Viele Jahre lang kletterten die Wohnungspreise vor allem in den Zentren der Metropolen. Doch inzwischen ziehen sie im Umland stärker an als in den Großstädten selbst. Das geht aus dem Frühjahrsgutachten der Immobilienwirtschaft hervor. »Dies ist ein echter Trendbruch«, schreiben die Autoren der Studie, die der Branchenverband Zentraler Immobilien Ausschusse (ZIA) in Auftrag gegeben hat.

Auffällig sei, dass die Hauspreise praktisch unabhängig von der Entfernung zur nächsten Metropole steigen. Auch in Landkreisen mit bis zu eineinhalb Stunden Fahrtzeit in die Stadt legten sie zu. Beispiele hierfür seien die Landkreise Uckermark, Dithmarschen, Vogelsbergkreis, Vulkaneifel, Schwäbisch Hall, Haßberge oder Dillingen an der Donau. »Es ist überraschend, dass nicht nur Umlandkreise profitieren, sondern auch wirklich ländliche Regionen«, sagt ZIA-Präsident Andreas Mattner.

Grund für die Preisanstiege sei, dass der ländliche Raum zuletzt wieder mehr Einwohner hinzugewann. Die sogenannten Wanderungsgewinne seien dabei nicht primär etwa durch Geflüchtete aus anderen Ländern verursacht, sondern viel mehr durch deutsche Staatsbürger. »Vor allem Familien verlassen die Groß- und Schwarmstädte und ziehen nicht nur in die Umlandkreise, sondern auch in die weiter entfernten ländlichen Räume«, sagt Mattner. Das könne sich jedoch ändern, wenn Großstädte wieder ausreichend Wohnraum anbieten. Die Jungen bis zum Alter von etwa 30 Jahren zögen weiterhin in die Groß- und Schwarmstädte.

Abgesehen von vereinzelten Landkreisen in Westdeutschland sinkt die Einwohnerzahl laut dem Gutachten nur noch in den meisten Regionen Ostdeutschlands. Aber auch dort sind die Schrumpfungsraten weniger negativ und die Umlandkreise von Berlin und Leipzig sowie die Ostseeküste gewinnen sogar Einwohner hinzu.

Die Corona-Pandemie dürfte die Attraktivität des ländlichen Raums weiter erhöhen, erwarten die Experten. Das Arbeiten im Homeoffice ermögliche es auch Fachkräften, die bisher…