Klar, er genießt es. Die Kameras, die Fernsehsender, das Interesse, das ihm plötzlich wieder entgegenschlägt. Ist ja schon eine Weile her, dass er ähnlich im Fokus stand. Hans-Georg Maaßen steht am Pult, Applaus rauscht durch den Saal. »Das war heute ein sehr gutes Zeichen für die Demokratie«, ruft Maaßen. Es ist kurz nach 20 Uhr, Maaßen hat sein erstes Ziel erreicht.

Das Congress Centrum in Suhl, erster Stock, Saal Simson: Maaßen, 58 Jahre alt, ist gekommen, um sich das abzuholen, was Teile seiner Partei frohlocken, größere Teile aber erschrecken lässt: die Bundestagskandidatur für die CDU im Wahlkreis 196 in Südthüringen. Rund vier Dutzend Delegierte haben sich in dem Saal versammelt, für Maaßen ist der Termin fast ein Selbstläufer. Kaum Debatte, nur ein Gegenkandidat, am Ende stimmen 86 Prozent für Maaßen. Er wolle für den Wahlkreis »Botschafter und Interessenvertreter« sein, verspricht er.

Der Begriff ist eine kleine Provokation, Maaßen weiß, dass er als alles durchgeht, nur nicht als Botschafter. Niemand in der CDU polarisiert so wie er. Seine Thesen, seine Sätze sind den meisten noch im Gedächtnis: Wie er nach den ausländerfeindlichen Aufmärschen in Chemnitz 2018 keine »Hetzjagden« erkennen wollte. Wie er von einem »Riesenerfolg« sprach, nachdem die CDU mithilfe der AfD den FDP-Politiker Thomas Kemmerich in Erfurt zum Ministerpräsidenten gewählt hatte. Ein Klartexter, sagen seine Anhänger. Ein Scharfmacher, ein Ideologe, der die Brandmauer zu den Rechtsextremen sprengt, so sehen ihn seine Gegner. Jetzt will Maaßen für die CDU in den Bundestag. Kann das gutgehen?

Klar, sagen sie vor Ort. Dort sind sie froh, dass die Entscheidung endlich durch ist. Eigentlich wollte man wieder mit Mark Hauptmann in den Wahlkampf ziehen. Doch der CDU-Bundestagsabgeordnete musste vor Wochen zurücktreten, weil er sich in der Pandemie schwer bereichert hatte. Vor dem Saal in Suhl steht auf dem Getränketisch eine Holzbox. »Kasse des…