Dass Bewegung in die Diskussion rund um die Rückgabe der in deutschen Sammlungen befindlichen Benin-Bronzen kommt, zeichnete sich schon seit längerem ab. Nach dem Spitzengespräch zwischen Staatsministerin Monika Grütters, Museumsleiterinnen und -leitern in Deutschland und ihren nigerianischen Partnerinnen und Partnern liegt jetzt ein konkreter Fahrplan vor: Schon im kommenden Jahr sollen erste Kunstschätze zurückgegeben werden an Nigeria, in dessen Südwesten das einstige Königreich Benin lag.

1897 raubten britische Kolonialtruppen 3500 bis 4000 Bronzen aus dem Königspalast in Benin City und steckten die Stadt in Brand. Rund 1100 Bronzen gelangten als Ankäufe nach Deutschland, allein 440 nach Berlin, das sich damit die zweitgrößte Sammlung weltweit sicherte. Ihr Besitz ist legal, aber nicht legitim, denn an den Stücken klebt nachweislich Blut.

Wandel in der Museumswelt

Nanette Snoep, Leiterin des Rautenstrauch-Joest Museums in Köln

„Über Jahre gab es so viele Stimme gegen die Restitution, und jetzt gibt es eine wirkliche Veränderung; es findet ein wirklicher Wandel statt, auch innerhalb der Museumswelt“, sagt Nanette Snoep vom Rautenstrach-Joest-Museum im Köln. „Museen und Politiker sind sich bewusst geworden, dass es wirklich notwendig ist, Museen zu dekolonisieren. Und Dekolonisierung bedeutet auch Restitution.“

Snoep hat an dem Spitzentreffen mit Monika Grütters teilgenommen. Anfang des Jahres hat sie zudem die Ausstellung „Resist! Die Kunst des Widerstands“ in Köln kuratiert. Erstmalig sollten darin die Kolonialisierten, jene, die unter Unterdrückung litten oder leiden, eine Stimme erhalten. In ihrer Karriere hat sich die gebürtige Niederländerin intensiv mit Kunst aus kolonialem Kontext beschäftigt und plädiert schon lange dafür, Rückgaben in die Wege zu leiten. „Ich war positiv überrascht, dass wir uns gestern einstimmig für Restitution und die dafür notwendigen Schritte ausgesprochen haben“, so Snoep weiter. 

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