Deutschland hat im vergangenen Jahr zwar den Bau von Fernstraßen vorangetrieben, aber keine neue Bahnstrecke eröffnet. »Im Bereich der Bundesschienenwege wurden 2020 keine Neuabschnitte in Betrieb genommen«, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Dagegen wurden rund 125 Kilometer neue Autobahnen oder Bundesstraßen fertiggestellt oder erweitert.

Die Grünen kritisierten, dass es – anders als bei den Straßen – auch keinen sogenannten Planungsvorrat gebe und selbst der Ausbau vorhandener Trassen sich häufig verzögere. »Dass die Bahn im gesamten letzten Jahr keinerlei Neubau in Betrieb nehmen konnte, zeigt, wie schleppend der Ausbau des Bahnnetzes vorangeht«, sagte der Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler.

Grüne kritisieren teure Straßen als »Wahnsinn«

»Während andere Länder in Europa ihre Bahnnetze in Rekordzeit ausbauen und modernisieren, tritt Deutschland auf der Stelle«, so Kindler weiter. Das Straßennetz in Deutschland sei eines der dichtesten der Welt und längst fertig. »In Zeiten der Klimakrise immer noch neue, teure Straßen voranzutreiben, ist Wahnsinn.«

Die Bahn hatte Anfang vergangenen Jahres mit dem Bund ein Investitionspaket von insgesamt 86 Milliarden Euro vereinbart, mit denen bis 2030 das gesamte Netz modernisiert werden soll. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer rief damals ein »Jahrzehnt der Schiene« aus. Das Geld fließt bislang jedoch vor allem in Sanierungen.