Die designierte Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock fordert, die Zahlung von Geld aus der Pflegeversicherung an Pflegeheime an die Bezahlung der Angestellten zu koppeln. Öffentliche Aufträge dürften »nur noch an Unternehmen vergeben werden, die mindestens Tariflöhne zahlen«, sagte die Grünen-Chefin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies spiele in der Baubranche und im Pflegebereich eine große Rolle.

Auf die Frage, ob das bedeute, dass Pflegeversicherungsgeld nur noch an Pflegeheime fließen solle, die Tariflöhne zahlten, antwortete Baerbock: »Ja«. Baerbock zeigte sich zuversichtlich, dass dies zu Veränderungen führen wird: »Das Druckmittel ist so groß, dass sich die Pflegeheime daran halten und ihre Lohnstrukturen umstellen werden.«

Vor dem Tag der Arbeit sprach sich auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz für eine bessere Bezahlung etwa von Pflegekräften und Verkäuferinnen aus. Wenn man eine bessere Bezahlung für die Pflegekräfte wolle, dann habe das Konsequenzen für die Pflegeversicherung.

»Und wenn die Verkäuferinnen anständig entlohnt werden, wird sich das auf die Preise auswirken. Das müssen uns der Respekt und die Würde schon wert sein«, so Scholz. Er forderte, den Mindestlohn auf »mindestens 12 Euro« je Stunde anzuheben.

Neun von zehn Friseuren bekommen Niedriglöhne

In Deutschland arbeitet derzeit fast jeder fünfte Beschäftigte mit vollem Job zu Niedriglöhnen. Besonders hoch ist der Niedriglohnanteil mit 92 Prozent bei Friseurinnen und Friseuren, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zeigt. Das betraf zuletzt fast 50.000 Menschen. Im Friseurgewerbe lag das mittlere Einkommen zuletzt bei 1680 Euro brutto im Monat.

In der Floristik arbeiten 85 Prozent aller regulär Vollzeitbeschäftigten zu niedrigen Löhnen. In der Kosmetik und bei den Berufskraftfahrern im Personentransport sind es jeweils 78 Prozent.

Als Bezieher von Niedriglohn gilt, wer in einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung…