SPIEGEL: Im Juni soll die Impfpriorisierung bundesweit aufgehoben werden. Dann könnten sich überall auch junge Menschen um Impftermine bemühen. Wünschen Sie sich, dass die Reihenfolge schneller gelockert wird, so wie das etwa Bayern bereits angekündigt hat?

Peters: Die Priorisierung hat ihre Berechtigung. Ich finde es sinnvoll, dass Polizei, Busfahrerinnen und Busfahrer oder Lehrkräfte momentan noch priorisiert geimpft werden und sehe da auch keine Notwendigkeit, diese Priorisierung vor Juni aufzuheben.

Anna Peters, 24, ist Bundessprecherin der Grünen Jugend. Seit 2015 ist sie Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen, die Parteijugendorganisation vertritt sie seit 2019 gemeinsam mit ihrem Co-Sprecher. In dieser Funktion setzt sich Peters insbesondere für die Belange junger Menschen in der Politik ein.

SPIEGEL: Das heißt aber auch, dass viele junge Menschen sich kurzfristig noch nicht impfen lassen können. Derzeit wird darüber gesprochen, dass Geimpfte wieder mehr Freiheiten zurückbekommen sollen. Ihre Generation muss dann vielleicht noch länger verzichten. Ist das ungerecht?

Peters: Das ist keine Frage von Generationengerechtigkeit. Es geht ja nicht um Privilegien, geimpfte Menschen bekommen einfach ihre Grundrechte zurück. Und das ist völlig richtig so. Ebenso wie ich es richtig finde, bei begrenztem Impfstoff erst einmal Gruppen zu berücksichtigen, die dem Virus besonders ausgesetzt oder besonders gefährdet sind. Gerade deshalb muss man aber natürlich gucken, wie man die Lebenssituation von jungen Menschen anders verbessern kann. Da sehe ich zum Beispiel bei der Ausgangssperre eine viel größere Ungerechtigkeit gegenüber jungen Menschen als beim Impfen.

SPIEGEL: Inwiefern?

Peters: Ich finde, dass besonders junge Menschen, die prozentual sehr viel zu Hause sitzen müssen, unter Ausgangssperren leiden. Gerade unsere Generation trifft sich eben auch noch abends draußen mit einer Person zum Spazieren, der Freundeskreis spielt eine total wichtige…