Globale Gesellschaft

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Beim Internationalen Währungsfond in Washington muss die Verwirrung groß gewesen sein. Anfang April hatte der IWF einen knapp zwei Milliarden Euro schweren Kredit für Kenia beschlossen. Das ostafrikanische Land soll damit wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen, die pandemiebedingte Krise überwinden. Eine gute Nachricht auch für die kenianische Bevölkerung, dachte man wohl in Washington.

Und staunte nicht schlecht über den folgenden Shitstorm. Die Facebook-Timeline des IWF wurde geflutet von wütenden kenianischen Social-Media-Nutzern. »Wir wollen Euer Geld nicht«, »Ihr führt unsere Wirtschaft nur weiter in die Krise« waren noch die harmloseren Kommentare. Gleichzeitig ging eine Petition online, die eine Stornierung des Kredits forderte. Mehr als 230.000 Menschen haben sie bereits unterschrieben.

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Petition gegen einen IWF-Kredit für Kenia

Foto: change.org

Eine davon ist Wanjiru Gikonyo. Sie leitet die Okoa Uchumi Coalition, die über Kenias Schuldenproblem aufklären will. »Ich weiß, dass wir den Kredit brauchen. Aber solche Kampagnen sind die einzige Sprache, die uns noch bleibt«, sagt sie. Gikonyos Organisation hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach mit dem IWF getroffen, nicht ganz erfolglos: Immerhin sind an die stufenweise Auszahlung nun mehrere Bedingungen geknüpft, unter anderem stärkere Transparenz der kenianischen Regierung.

Geld für Corona-Schutzausrüstung wurde offenbar in großem Stil veruntreut

Und die ist bitter nötig. Kürzlich hat Präsident Uhuru Kenyatta selbst angedeutet, dass dem kenianischen Staat die absurde Summe von 15 Milllionen Euro durch Korruption verloren geht – jeden Tag. Im vergangenen Jahr hat ein großer Skandal das Land…