Das deutsche Klimaschutzgesetz ist teilweise verfassungswidrig. Es fehlten ausreichende Vorgaben für die Minderung der Emissionen ab dem Jahr 2031, teilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe mit und gab damit den Verfassungsbeschwerden mehrerer junger Menschen teilweise statt. Die Richter verpflichteten deshalb den Gesetzgeber, bis Ende 2022 die Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen für die Zeit nach 2030 näher zu regeln.  

„Jegliche Freiheit potenziell betroffen“

Die Beschwerdeführenden seien durch die Regelungen in dem Gesetz in ihren Freiheitsrechten verletzt, erklärten die Richter weiter. „Die Vorschriften verschieben hohe Emissionsminderungslasten unumkehrbar auf Zeiträume nach 2030.“ Einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur wie geplant auf deutlich unter 2 Grad und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei dann nur mit immer dringenderen und kurzfristigeren Maßnahmen machbar.

„Von diesen künftigen Emissionsminderungspflichten ist praktisch jegliche Freiheit potenziell betroffen, weil noch nahezu alle Bereiche menschlichen Lebens mit der Emission von Treibhausgasen verbunden und damit nach 2030 von drastischen Einschränkungen bedroht sind“, heißt es in der Erklärung weiter. Zur Wahrung grundrechtlich gesicherter Freiheit hätte der Gesetzgeber Vorkehrungen treffen müssen, „um diese hohen Lasten abzumildern“.

Ein Protestmarsch in Stuttgart anlässlich des globalen Klimastreiks von Fridays for Future am 25. September 2020

Die Karlsruher Richter hatten insgesamt vier Klagen geprüft. Zahlreiche Umweltorganisationen unterstützten die Initiatoren, darunter der BUND, die Deutsche Umwelthilfe, Fridays for Future und Greenpeace. Mit den Verfassungsbeschwerden wollten sie erreichen, dass sich die Bundesregierung im Kampf gegen den Klimawandel mehr anstrengen muss. Die bisherigen Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen und zur Begrenzung der globalen Erwärmung sind nach Meinung der Kläger und Organisationen…