Nach vier chaotischen Jahren unter Donald Trump hat Joe Biden dem Land vordergründig etwas Ruhe und Ordnung zurückgegeben. Im Hintergrund spult er gleichzeitig ein beachtliches Programm ab.

Dass sich Politiker nach 100 Tagen im Amt ihrer ersten großen Bilanz stellen müssen, haben sie dem früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt zu verdanken.

Der trat sein Amt 1933 mitten in der Weltwirtschaftskrise an, brachte in den ersten gut drei Monaten eine ganze Batterie von Gesetzen durch den Kongress, um das Land aus der Misere zu wuchten, und prägte so die Idee des 100-Tage-Programms. Seitdem haben es Politiker in den USA und anderen Teilen der Welt mit dieser – eigentlich willkürlichen – Frist zu tun.

Für Joe Biden ist es an diesem Donnerstag soweit: Dann ist der US-Demokrat 100 Tage im Amt. Biden startete inmitten einer Krise von Rooseveltschem Ausmaß: in der verheerenden Corona-Pandemie und der schlimmsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise. Außerdem hinterließ ihm Vorgänger Donald Trump innenpolitisch ein zerrissenes Land und außenpolitisch einen beispiellosen Scherbenhaufen.

Kann jemand, der auf Trump folgt, eigentlich nur punkten? Nun ja, Bidens Zustimmungswerte liegen relativ stabil bei 52 bis 54 Prozent. Das ist solide, aber nicht überschwänglich. In jedem Fall ist es besser als Trump, der es als einziger US-Präsident der jüngeren Geschichte in seiner gesamten Amtszeit nicht über 50 Prozent brachte.

Überschwang und Enthusiasmus sind aber insgesamt nicht das Leitmotiv eines Amerikas unter Biden. Der 78-Jährige zog als ältester Präsident aller Zeiten ins Weiße Haus ein. Er steht nicht unbedingt für Aufbruch und Neuerung, sondern eher für die Rückkehr zu Konventionen, Vernunft, Beständigkeit, Berechenbarkeit – und etwas Ordnung nach chaotischen Trump-Jahren. Genau das hat er bislang abgeliefert.