Die Lufthansa schließt in der Corona-Krise betriebsbedingte Kündigungen nach Ende der Kurzarbeit im kommenden Jahr nicht aus. Dies werde rechtlich vorbereitet, erklärte Finanzchef Remco Steenbergen am Donnerstag. Er bezifferte den aktuellen Personalüberhang auf 10.000 Vollzeitstellen in Deutschland. Darüber stünden neue Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit sowie mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di für das Bodenpersonal an, da die Vereinbarungen mit diesen beiden bis Ende 2021 gelten. »Wir hoffen, dass wir im Lauf des Jahres zu guten Vereinbarungen über Kostensenkungen kommen und nicht zu betriebsbedingten Kündigungen greifen müssen«, sagte Steenbergen.

Die weltweite Belegschaft der Lufthansa schrumpfte in der Coronakrise von einst knapp 140.000 auf zuletzt rund 111.000 Frauen und Männer. In Deutschland hätten bisher 8000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Vorstandschef Carsten Spohr ergänzte, bei den Flugbegleitern und dem Bodenpersonal seien Abfindungsvereinbarungen zum freiwilligen Ausscheiden einfacher zu erzielen als bei den Piloten. Im Cockpit setze er deshalb auf mehr Bereitschaft zu Teilzeitarbeit. Ein großer Teil der Lufthansa-Beschäftigten in Deutschland ist bis Jahresende in Kurzarbeit. Solange das gilt, kann nicht betriebsbedingt gekündigt werden, denn die Zeit soll genutzt sein für Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite über sozialverträgliche Lösungen.

Kapitalerhöhung nötig

Ohne eine Kapitalerhöhung werde der Konzern wahrscheinlich dennoch nicht auskommen. Wenn die Anteilseigner dem Plan bei der Hauptversammlung im Mai zustimmen, »müssen wir uns überlegen, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist«, sagte Steenbergen. »Es kann dieses Jahr, aber auch nächstes Jahr sein.« Der Manager ließ offen, wie viel Geld der Konzern dann tatsächlich mit der Ausgabe neuer Aktien hereinholen will. Es werde aber weniger sein als der Rahmen von 5,5 Milliarden Euro, der bei dem Aktionärstreffen zur Abstimmung…