Kremlkritiker
«Nackter Kaiser» – Geschwächter Nawalny greift Putin an

Das von einem Moskauer Bezirksgericht zur Verfügung gestellte Foto zeigt den russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny per Videoschalte aus dem Gefängnis. Foto: Uncredited/Babuskinsky District Court/AP/dpa

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Kremlgegner Nawalny ist erstmals seit seinem Hungerstreik wieder zu sehen. Einen Auftritt vor Gericht nutzt er für neue Angriffe auf Kremlchef Putin.

Mit knöchernem Gesicht und kahlgeschorenem Kopf ist der von seinem dreiwöchigen Hungerstreik geschwächte Kremlgegner Alexej Nawalny erstmals wieder zu sehen.

Bei dem Auftritt per Videoschalte aus seinem Straflager am Donnerstag holt der 44-Jährige einmal mehr zu einem Angriff auf Präsident Wladimir Putin aus. Jedes Kind sehe inzwischen, dass der Kremlchef ein «nackter Kaiser» sei, der sein Land ausplündere, die Menschen ihrer Zukunftsperspektiven beraube und sich an die Macht klammere, sagt Nawalny mit geschwächter Stimme.

Sein Vertrauter Leonid Wolkow, der im Ausland lebt, berichtet, die Regionalstäbe der Oppositionsbewegung im ganzen Land würden nun unter dem Druck des Vorgehens der russischen Justiz geschlossen – als Reaktion auf ein Verfahren wegen angeblichem Extremismus. Wann das Urteil dazu fällt, ist nicht klar. Allerdings haben Staatsanwaltschaft und das Gericht schon Organisationen der Bewegung lahmgelegt, auch Teile von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung.

Nawalnys Juristen fordern weiter, den «Geheimprozess» zu öffnen und die Unterlagen mit den Anschuldigungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch solche Appelle wie auch die internationalen Aufrufe für eine Freilassung prallen an den Kremlmauern ab. 25 Jahre politische Aufbauarbeit seien nun zerstört, heißt es in Nawalnys Team. Er selbst wird nicht gehört in diesem Verfahren.

Nawalny nutzt aber…