Konrad Adenauer war 14 Jahre im Amt, Helmut Kohl 16 Jahre, bei Angela Merkel werden es am Ende ebenfalls 16 Jahre sein. Derartige Langzeit-Kanzlerschaften sind in Deutschland ohne Weiteres möglich. Wird sich das in Zukunft ändern? Zumindest häufen sich mit dem näher rückenden Ende der Ära Merkel einmal mehr die Rufe nach einer Befristung der Amtszeit der Regierungschefs.

In eine ähnliche Richtung drängt nun eine Frau, die selbst in Kürze an die Macht will: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock will ebenfalls die Kanzleramtszeit beschränken. »Wir sollten auch die Begrenzung der Amtszeit einer Kanzlerin und eines Kanzlers in den Blick nehmen«, sagte Baerbock dem SPIEGEL.

Nach dem Willen der Grünenchefin soll die Amtszeitbegrenzung Teil einer umfassenden Parlamentsreform sein. »Es braucht eine andere Art des Führens«, so Baerbock. Die Grünen wollten deshalb die Kontroll- und Beteiligungsrechte des Parlaments gegenüber der Regierung stärken, das Parlament verkleinern und das Wahlalter auf 16 Jahre senken.

»Sinnvoll erscheint mir zudem eine Debatte über die Verlängerung der Legislaturperiode«, so Baerbock. Diese müsse dann aber mit einer Stärkung direkter Beteiligungsmöglichkeiten einhergehen, etwa über Bürgerräte.

Im Bundestag werden all diese Fragen bereits diskutiert. Vergangene Woche wurde vom Parlament eine Wahlrechtskommission eingesetzt, die sich mit der Größe des Parlaments, der Länge der Legislaturperioden, der Kanzleramtszeit und der Bündelung von Wahlterminen beschäftigt. Bis zum 30. September soll die Kommission einen Zwischenbericht vorlegen.

Baerbock verwies im Zusammenhang mit ihrem Vorstoß auf den aktuellen Wahlkampf, in dem Amtsinhaberin Angela Merkel nicht erneut antritt. »Wir sehen ja gerade, wie viel Bewegung es gibt, wenn zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik alle Parteien gefordert sind, etwas Neues zu wagen, weil eben kein amtierender Kanzler oder amtierende Kanzlerin nochmal antritt«, sagte sie. »Das…