Problem: Mit der Zulassung des Impfstoffes für Über-zwölf-Jährige erhöht sich die Zahl der Menschen, die Anspruch auf eine Impfung haben – allerdings nicht die Menge an Impfstoff, die in Deutschland zur Verfügung steht. Sollten Schulkinder ab Anfang Juni also vorrangig geimpft werden, um wieder sicheren Präsenzunterricht zu ermöglichen?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürchtet, dass Kinder nicht bevorzugt behandelt werden könnten – auch wenn das zu Zorn und Verzweiflung der Eltern führen werde. »Der Impfstoff für Kinder geht etwa bis September zulasten des Kontingents, das wir haben«, sagte Lauterbach dem SPIEGEL. Doch es gebe gerade andere Schwerpunkte, um die man sich in der Pandemiebekämpfung zuerst kümmern müsse.

Anstatt Kinder bei der Impfpriorisierung früher zu berücksichtigen, schlägt Lauterbach deshalb eine andere Strategie vor: »Wir sollten zusätzliche Kontingente in die Brennpunkte schicken.« Dort sollten dann alle Menschen geimpft werden, auch die Kinder. Schwerpunktmäßig sollte dort für Erwachsene der Impfstoff von Johnson & Johnson eingesetzt werden. Dieser muss für eine Immunisierung nur einmal verimpft werden. Für Kinder rät Lauterbach zum Impfstoff von Biontech.

»Wenn wir die Brennpunkte nicht in den Griff bekommen, dann kriegen wird keine Herdenimmunität hin«, sagte Lauterbach. Dann werde es auch lange keine Erfolge auf den Intensivstationen geben.

Er verstehe, dass sich das für viele Eltern schlecht anfühlen werde. »Wir haben viel über Kinder gesprochen, aber wenig für Kinder getan«, sagte Lauterbach. Irgendwann werde es Lockerungen geben, weil Ältere geimpft seien. Eltern und Kinder hätten dann das Nachsehen und stünden vor dem größten Risiko. »Kinder sind die einzige Altersgruppe, wo man auf keine Geimpften trifft«, sagte Lauterbach.

Die Linken-Fraktionsvorsitzende Amira Mohamed Ali pocht deshalb darauf, Kinder bei den Impfungen vorzuziehen, sollte der Impfstoff nicht für alle reichen: »Für Kinder…