Steve Angel hat bei Linde im vergangenen Jahr so viel verdient wie kein anderer Vorstandschef eines Dax-Konzerns vor ihm. Seine Gesamtvergütung lag bei 53,4 Millionen Euro, wie die Vergütungsberatung hkp errechnet hat. Schon 2019 war der US-Amerikaner mit 43 Millionen Euro unangefochtener Top-Verdiener im Dax gewesen. »Linde ist faktisch ein US-amerikanisches Unternehmen, mit einem US-Chef, der nach US-Marktpraxis vergütet wird«, kommentierte hkp-Partner Michael Kramarsch am Donnerstag den Rekord. In den USA liegen Chef-Gehälter um ein Vielfaches über denen in Deutschland, wo die meisten Unternehmen die Boni deckeln.

Doch auch bei den in Deutschland ansässigen Dax-Konzernen gibt es einen neuen Rekordhalter bei der Vergütung. Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg kam im vergangenen Jahr auf insgesamt 45,7 Millionen Euro. Während sein Grundgehalt nur bei 350.000 Euro pro Jahr liegt, bekam er Aktienboni im Wert von 45 Millionen Euro für den Erfolg des Lieferdienstes der vergangenen Jahre ausbezahlt. Die Boni machen auch bei Linde-Chef Angel den Löwenanteil des Gehalts aus. »Wer sich über erfolgreiche Start-ups wie Delivery Hero freut, muss auch die Vergütungspraktiken solcher Erfolgsunternehmen akzeptieren«, findet Kramarsch. Der Chef des im Nebenwerteindex MDax gelisteten Softwareanbieters Teamviewer, Oliver Steil, hatte 2020 sogar 71 Millionen Euro bekommen.

Die Vorstandschefs der angestammten Dax-Unternehmen hängen Angel und Östberg damit um Längen ab. Von ihnen verdiente Post-Chef Frank Appel mit einer Gesamtvergütung von 10,03 Millionen Euro am meisten. Der Logistik-Konzern war einer der großen Krisengewinner, weil ihr der Online-Handel angesichts geschlossener Läden einen Paket-Boom bescherte – und Appel einen deutlich höheren Jahres-Bonus.

Die meisten Dax-Chefs hatten wegen der Coronakrise dagegen Abstriche machen müssen oder auf Teile des Gehalts verzichtet. Die beiden Ausreißer Linde und Delivery Hero, die die Gehälter ihrer Vorstände erst…