Die Corona-Lage in der Türkei ist dramatisch. Im Kampf gegen die Pandemie macht das Land nun dicht. Von diesem Donnerstagabend an gilt ein dreiwöchiger Lockdown. Wer auf die Straße will, braucht dafür einen triftigen Grund. Einkaufen fällt darunter. Der türkische Anisschnaps Raki darf in dieser Zeit allerdings nicht im Einkaufskorb landen.

Für den harten Lockdown herrscht im ganzen Land ein Verkaufsverbot von Alkohol. Das hat Innenminister Süleyman Soylu am Dienstag bekannt gegeben.

Betroffen von diesem Verbot dürften vor allem die »Tekel«-Kioske sein. Sie haben neben Tabak hauptsächlich alkoholische Getränke im Angebot. Eine Ausnahmegenehmigung, um trotz des Lockdowns öffnen zu dürfen, soll es Soylu zufolge für diese Läden nicht geben. »Diese Läden stehen nicht auf der Ausnahmeliste, sie bleiben geschlossen. Da steht kein Fragezeichen dahinter«, sagte er Medienberichten zufolge.

Kritiker vermuten ideologische Gründe hinter dem Verbot

Das landesweite Alkoholverkaufsverbot ist auf scharfe Kritik gestoßen. In den sozialen Netzwerken halten einige Nutzer die Maßnahme für verfassungswidrig. Andere fragen nach dem Sinn des Verkaufsverbotes im Kampf gegen Corona – und vermuten hinter der Maßnahme ideologische Gründe.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan und seine Partei AKP stehen als Vertreter des islamisch-konservativen Spektrums dem im muslimischen Glauben geltenden Alkoholverbot nahe. Der Vizechef der Oppositionspartei CHP, Veli Ağbaba, sieht darin auch den eigentlichen Grund für die Maßnahme.

»Dieses Verbot hat nichts mit der Coronapandemie zu tun. Das ist rein ideologisch. Es ist das letzte Glied der Kette, wie die AKP sich in den Lebensstil der Bürger einmischt«, schrieb Ağbaba auf Twitter.

Und tatsächlich hat die Erdoğan-Regierung bereits in den vergangenen Jahren den Alkoholkonsum im Land immer wieder ins Visier genommen. »Unser Nationalgetränk ist Ayran«, sagte Erdoğan einst und positionierte sich damit gegen all jene, die diesen Titel…