Bisher ist es nur ein Loch in der Erde – aber Ende des Jahres soll das Haus von Sylwia Zborowska fertig sein. Und im nächsten Frühling einzugsbereit. Die 32-Jährige hat die Nase voll von den Hochhäusern Warschaus; sie möchte jetzt in Łomianki, etwa 30 Autominuten vom Stadtzentrum entfernt, ihren sicheren Hafen finden: „Przystań“ (Hafen) heißt die Anlage mit den 32 Wohneinheiten. Zborowska besucht die Baustelle häufig. Voller Stolz führt sie durch den Rohbau und beschreibt, wie ihr Haus bald aussehen soll.

„Przystań“ ist eines von vielen ähnlichen Neubauprojekten in Polen. Der Markt für Doppelhaushälften mit Terrasse und Giebeldach boomt. Auf den ersten Blick sehen die baugleichen Häuser aus wie in vielen dieser Anlagen – doch wer gerade hier sein Haus kauft, kennt den Unterschied: Jeder Immobilie ist ein christlicher Schutzpatron zugeordnet, ein Seliger oder Heiliger.

Zukünftiges Wohnzimmer in der christlichen Siedlung „Przystań“ (Hafen), natürlich mit Kreuz an der Wand

„Es geht uns darum, Menschen zusammenzubringen, die sich miteinander gut fühlen, die ein gemeinsames Fundament vereint. Das ist der Glaube an Gott“, sagt Kamil Kwiatkowski, der sich als „Initiator“ des Projekts vorstellt, der DW. Er erzählt von „fehlerhaften“ Berichten, Spott („Gibt’s einen Beichtstuhl an der Einfahrt?“) und sogar Hasskommentaren.

Auf die Frage der DW, was ein Kaufinteressent denn mitbringen müsse, reagiert Kwiatkowski mit Sarkasmus: „Als allererstes benötigen wir eine Bescheinigung vom Bischof, der sich wiederum beim einem Pfarrer melden muss – und am Ende wird alles vom Papst bestätigt“, scherzt er. Tatsächlich werde der Glaube auf keine Art und Weise überprüft, stellt er klar. Jeder, der wolle, könne hier einsteigen.

Kapelle, Rosenkränze, Kreuze

Zwei Drittel der Häuser seien schon verkauft, so Kwiatkowski weiter, zum Preis von ca. 5000 Złoty pro Quadratmeter (gut 1000 Euro). Das liegt weit unter dem, was in der Hauptstadt bei Neubauten verlangt wird, wo in…