1. Die jüngste Corona-Infektionswelle trifft Indien mit ungeheurer Wucht, ein riesiges Impfprogramm soll für Linderung sorgen

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Foto: DANISH SIDDIQUI / REUTERS

In vielen indischen Städten brennen Scheiterhaufen mit Leichen, vor den Friedhöfen bilden sich Schlangen, Krankenhäuser und Krematorien sind überlastet. Eine Coronawelle verwüstet das Land. Sie produziert schreckliche Bilder, wie die Welt sie seit Beginn der Pandemie wohl noch nicht gesehen hat. Hilflose Familien eilen von Klinik zu Klinik auf der Suche nach Betten für Angehörige. Verzweifelte bitten in den sozialen Medien um Sauerstoffflaschen.

Kann es sein, dass manche Menschen in Deutschland die Bilder und Berichte aus Indien lieber gar nicht sehen und lesen möchten? Ich musste angesichts der erschütternden Indien-Geschichte meiner SPIEGEL-Kollegin Laura Höflinger und meines Kollegen Adnan Bhat an den Schauspieler Jan Josef Liefers und seinen Video-Beitrag zu der nicht sehr intelligenten Medienkampagne #allesdichtmachen denken. Liefers bedankt sich in seinem Clip mit ironischem Unterton »bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben.« Heute wurde bekannt, dass der Schauspieler in einem Interview sein Auftreten zumindest teilweise rechtfertigt und behauptet: »Irgendeinen neuralgischen Punkt haben wir berührt.«

Ich finde es sinnlos, die Augen zu verschließen vor der Katastrophe, die sich in Indien ereignet und natürlich Anlass für großen Alarm gibt. Meine Kollegin Laura und mein Kollege Adnan schildern, wie eine Mischung aus Hybris, Leichtfertigkeit und Inkompetenz das von mehr als 1, 3 Milliarden Menschen bewohnte Land in ein Desaster getrieben hat. Noch im Januar prahlte Premierminister Narendra Modi, Indien habe die Pandemie im Griff. Nun liegt die Zahl der täglichen Toten offiziell über 3200,…