Das Europaparlament hat das mit Großbritannien nach dem Brexit geschlossene Handelsabkommen ratifiziert.

Der Vertrag sieht im beiderseitigen Handel den Verzicht auf jegliche Zölle und mengenmäßige Beschränkungen vor. Bisher war die Vereinbarung zwischen Brüssel und London nur vorläufig in Kraft. Durch die Ratifizierung des EU-Parlaments gilt sie dauerhaft.

Großbritannien war nach dem Brexit im vergangenen Jahr zum 1. Januar auch aus dem EU-Binnenmarkt und der europäischen Zollunion ausgetreten. Das Parlament hatte die Ratifizierung lange hinausgezögert.

Grund war der Streit mit Großbritannien um Zollkontrollen in Nordirland. Die EU wirft Großbritannien vor, gegen das Nordirland-Protokoll im bereits in Kraft befindlichen Brexit-Abkommen zu verstoßen, das offene Grenzen zwischen der britischen Provinz und dem EU-Mitglied Irland garantieren soll.

Am Dienstag hatten Vertreter aller Fraktionen die Notwendigkeit betont, die Beziehungen nach dem Brexit auf eine neue Grundlage zu stellen. Nach einseitigen Verstößen Londons gegen das bereits geltende Austrittsabkommen gab es aber auch deutliche Warnungen an Premierminister Boris Johnson.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drohte der britischen Regierung im Fall neuer Verstöße mit Sanktionen. Die EU habe die Möglichkeit, »einseitige Korrekturmaßnahmen« wie Strafzölle oder Einfuhrquoten zu verhängen, sagte von der Leyen am Dienstag vor den Abgeordneten in Brüssel. »Wir werden nicht zögern, es zu tun, wenn nötig.«

Auch die französische Regierung drohte London mit »Vergeltungsmaßnahmen«, falls die Vereinbarungen zu Fangrechten für EU-Fischer in britischen Gewässern nicht eingehalten würden.

Europastaatssekretär Clément Beaune sagte im Sender BFM Business, Großbritannien werde sonst keine Zugeständnisse für den Zugang seiner wichtigen Finanzindustrie zum europäischen Kontinent erhalten.