Nein, einsam habe er sich nicht gefühlt. Das jedenfalls hat Michael Collins immer wieder auf die Frage geantwortet, die ihm, in dieser und jener Abwandlung, wohl so oft gestellt wurde wie keine andere: Wie es ihm denn ergangen sei, so ganz allein hinter dem Mond.

Als im Juli 1969 die Besatzung der amerikanischen Weltraummission »Apollo 11« zu ihrem historischen Flug aufbrach, war die Rollenverteilung klar: Kommandant Neil Armstrong würde als erster Mensch überhaupt einen fremden Himmelskörper betreten, Mondfähren-Pilot Buzz Aldrin, der lange selbst gern die Nummer eins gewesen wäre, käme nach ihm dran. Währenddessen würde Michael Collins, der Pilot des Kommandomoduls »Columbia« um den Mond kreisen und auf seine beiden Kollegen warten. Seine Füße würden nie Abdrücke im Mondstaub hinterlassen. Dabei hatte er das Logo der Mission erdacht: einen Adler, der einen Olivenzeig im Schnabel tragend über der Mondoberfläche schwebt.

47 einsame Minuten – wieder und wieder

Auf seinem Weg um den Mond gab es bei jeder Umkreisung eine Zeitspanne von 47 Minuten, in denen Collins keinen Funkkontakt zur Erde oder seinen Kollegen auf der Oberfläche des Mondes hatte – und zwar während er sich auf der erdabgewandten Seite des Himmelskörpers befand, mehr als 400.000 Kilometer von der Erde entfernt.

»Seit Adam hat kein Mensch eine solche Einsamkeit gekannt, wie sie Mike Collins während dieser 47 Minuten jeder Mondumkreisung erlebt, wenn er hinter dem Mond ist und mit niemandem sprechen kann, außer mit seinem Tonbandgerät an Bord der ›Columbia‹«, kommentierte man bei der Nasa. Flugpionier Charles Lindbergh, er hatte als erster Mensch allein den Atlantik in einem Flugzeug überquert, schrieb später an Collins: »Sie haben eine Einsamkeit erlebt, die der Mensch zuvor nicht kannte.«

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Collins bei einem Pressetermin in Washington im April 2015

Foto: ERIC BARADAT / AFP

Doch obwohl der Raumfahrer während seiner Zeit hinter…