Saudi-Arabien und Iran führen im Nahen Osten seit Jahren blutige Stellvertreterkriege. Die Erzrivalen mischen in den Konflikten in Syrien und im Jemen mit, immer wieder kommt es zu diplomatischen Spannungen am Golf. Nun schlägt Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman überraschend versöhnliche Töne an. Vertreter beider Länder sollen sich Medienberichten zufolge zuvor heimlich in der irakischen Hauptstadt Bagdad getroffen haben.

»Iran ist ein benachbartes Land, und alles, wonach wir streben, sind gute und besondere Beziehungen zu Iran«, sagte Salman in einem am späten Dienstagabend veröffentlichten Fernsehinterview mit dem saudi-arabischen Sender MBC. »Wir wollen nicht, dass die Situation Irans schwierig ist. Im Gegenteil: Wir wollen, dass Iran gedeiht und die Region und die Welt zu Wohlstand bringt.« Riad arbeite mit regionalen und internationalen Partnern zusammen, um Lösungen für das »negative Verhalten« Teherans zu finden, sagte der Kronprinz weiter.

Salmans Tonfall gegenüber Teheran unterschied sich deutlich von jenem, den der Kronprinz in früheren Interviews angeschlagen hatte. In der Vergangenheit warf Salman Iran unter anderem vor, die regionale Instabilität zu befeuern. Zu den Berichten über geheime Gespräche zwischen Vertretern Riads und Teherans in Bagdad äußerte sich der Kronprinz allerdings nicht.

Geheimes Treffen in Bagdad

Laut der »Financial Times« hatten sich Vertreter Irans und Saudi-Arabiens bereits am 9. April zu einer ersten Verhandlungsrunde in Bagdad getroffen, die von dem irakischen Ministerpräsidenten Mustafa al-Kadhemi geleitet wurde. Ein irakischer Regierungsvertreter bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die Gespräche. Riad hat die Verhandlungen offiziell dementiert.

Die regionalen Schwergewichte Saudi-Arabien und Iran sind seit Langem verfeindet. Beide Staaten sind in den Jemenkrieg verwickelt: Riad führt in dem Land eine Militärkoalition zur Unterstützung der Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi gegen die…